Zeitzeichen

Schnee

Der Inbegriff von Winter ist er für viele gleichsam. Andere versteigen sich wohl gar zu der Aussage, ohne ihn sei „wahres“ Weihnachten schlicht nicht vorstellbar. Ohne wen? Nun eben: ohne Schnee. Immerhin hat schon US-Sänger Bing Crosby so enorm erfolgreich von „White Christmas“ geträumt, also von schneeweißer Weihnacht. Aber das ist so vergangen wie das jüngste Christfest. Der Schnee ist freilich jetzt erst wirklich und endlich da. Wetter- und Medienberichte informieren mit den Einzelheiten. Ob er allerdings in dieser unserer Region auch noch wirklich nennenswert fallen wird, muss sich erst weisen. Süddeutschland und Sachsen sind jetzt gut dabei, außerdem, man höre: Griechenland. Soeben blickt ein Kollege aus dem Fenster und meint: „Dahinten irgendwo“, weiter östlich, an den Hängen des vorderen Odenwalds, da könnte es wohl (bald) schneien; nebenbei: Es ist derselbe Kollege, der auf dem Weg in die Mittagspause meinte, sein Sehvermögen sei heute nicht ganz auf der Höhe.

Aber bleiben wir noch ein wenig beim Schnee beziehungsweise seiner Abwesenheit. Wer ohnehin gut auf ihn verzichten kann oder sich die Wartezeit bis zum großen Fall vertreiben will, mag zu einem Buch greifen, das mehr oder weniger stark von ihm motiviert ist: David Gutersons „Schnee, der auf Zedern fällt“ oder (anspruchsvoller) Orhan Pamuks „Schnee“ beispielsweise. Das ist freilich von der Natur her etwas ganz Anderes, aber immerhin doch nicht so rasch Schnee von gestern. Thomas Groß