Zeitzeichen

„Schwarz ist bunt genug“

Archivartikel

Egal, wie das Fest verlaufen ist. Es war rein ästhetisch gesehen auf jeden Fall schöner als in den Vorjahren. Denn zumindest der Mut zum Tragen vorsätzlich hässlicher Weihnachtspullover ging in dieser Saison spürbar zurück. Nur noch vereinzelte Exemplare der „Ugly Christmas Sweater“ riefen gefühlte Netzhaut-Verätzungen hervor. Dabei hatte dieser spaßig gemeinte Modetrend mit Hang zur visuellen Körperverletzung zuletzt eine neue Zielgruppe anvisiert, die völlig unverdächtig ist, farbenfrohem Unsinn anzuhängen: Heavy-Metal-Fans.

Diese Klientel kleidet sich normalerweise getreu dem Motto „Schwarz ist bunt genug“. Aber plötzlich waren in einschlägigen Online-Shops potthässliche Strickwaren mit den Insignien nicht nur von generell populären Stadionbands wie Metallica, Guns N’ Roses oder AC/DC zu haben, sondern auch für speziellere Geschmäcker. Etwa dem der Liebhaber „melodischen“ Death Metals aus dem Hause Amon Amarth. Die neben dem dominanten Schwarz eingesetzten Farben blieben genretypisch: Blutrot, Höllenfeuerrot oder -gelb und mitunter eine Prise Giftgrün. Wenn schon Farbe, dann wenigstens böse bunt. Die Nachfrage hielt sich wohl trotzdem in Grenzen, denn schon vorm Fest gab’s das Zeug zu Schleuderpreisen. Metal-Fans haben halt Geschmack.