Zeitzeichen

Sehnsucht

Je mehr der Mensch werkelt und tut, je mehr er sich einigeln lässt in Arbeit, Sorgen und Kommunikationsflüsse, desto mehr entsteht in ihm die Sehnsucht nach Leere und Ruhe. Gerade in diesen Tagen. Da ist die Hektik am größten. Alles ist sowie so schon zu viel. Und dann kommt da auch noch dieses Fest, mit dem vor allem die westliche Welt einen 2017. Geburtstag feiert. Was hilft? Ist es ein Buch wie Lothar Seiwerts „Simplify Your Life“? Der Mann glaubt ja, ein Mittel gefunden zu haben gegen die diffusen Dämpfer der Seele: Sachen wie nicht gelungene Beziehungen, suchtähnliche Abhängigkeit, schlechte Gewohnheiten, unnütze Dinge oder Schulden. Sein Tipp: Entrümpeln! Nicht nur die Wohnung. Das ganze Leben! Aber wie? Mit In-sich-Gehen, mit Zur-Ruhe-Kommen-und-einfach-mal-ans-Wichtige-im-Leben-Denken: Liebe, liebe Menschen – das ist, was Todgeweihte beschäftigt. Die Essenz des Seins. Aber wo kann der Mensch so in sich gehen? Klar, Monopolyspieler wissen: Es gibt da diesen Ort, da bleibt die Zeit stehen. „Gehe in das Gefängnis. Begib Dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los. Ziehe nicht 4000 Euro ein.“ Äh, ach, die Hektik hier draußen ist doch gar nicht so schlimm. Oder? Stefan M. Dettlinger