Zeitzeichen

Siegeszug eines Wortes

Archivartikel

Sale, Sale und noch mal Sale! Ob in Kaufhäusern, Fachgeschäften, Lädchen oder auf Plakaten wie Prospekten, allerorten kündet „Sale“ von Preisaktionen. Es ist schon verblüffend, welch einen rasanten Siegeszug dieser (vom englischen „Verkauf“ abgeleitete) Anglizismus hingelegt hat. Dabei sind die vier Buchstaben, die geschrieben als Zweisilber („sa-le“) wahrgenommen, aber als Einsilber (in etwa „Sejl“) ausgesprochen werden, alles andere als beliebt. Schon mehrfach richteten sich Unterschriftenaktionen gegen den Verbalimport als Symbol für den „Ausverkauf der deutschen Sprache“. Vergebens. Gerade jetzt erobern wieder jede Menge „Sales“ (laut Duden die Mehrzahlform) jene Botschaften, die früher als „Schlussverkäufe“ firmierten. Inzwischen existiert sogar ein Studiengang für „Salesmanagement“ sowie „Salespromotion“. Da liegt nahe, einen „Saler“ für einen Verkaufsspezialisten zu halten, der die in Mode gekommenen (Werbe-)„Salesfolder“ austüftelt. Aber von wegen! „Saler“ taucht in alten Wörterbüchern in der Bedeutung „Helm“ oder „Pickelhaube“ auf, entlehnt vom Salier-Adelsgeschlecht. Tja, das einem Tsunami gleich die Marketing-Diktion überschwemmende „Sale“ kann ganz schön verwirren – auch deshalb, weil es im Italienischen „Salz“ , im Französischen „schmuddelig“ bedeutet.

Wer weiß, vielleicht macht „Sale(s)“ bald in Personalausweisen Karriere: Jedenfalls sollen Kinder, insbesondere Jungen, solcherart Vornamen bereits tragen: erfreulicherweise nicht im Schnäppchen-Sinne , sondern als Salomon-Variante. Ach, wenigstens das!