Zeitzeichen

So ein „sh--“

Archivartikel

Es passiert nicht allzu oft, dass sich die „New York Times“ in die Niederungen deutscher Politik begibt. Doch Verkehrsminister Andreas Scheuer ist es nun gelungen, die Aufmerksamkeit der einflussreichen US-amerikanischen Zeitung auf sich zu ziehen. Anlass ist die Werbekampagne aus seinem Hause, die mit leicht bekleideten Frauen und Männern zum Tragen eines Fahrradhelmes aufrufen will. Mit Interesse verfolgt die Zeitung den Aufruhr, den die Plakate in Deutschland ausgelöst haben („Peinlich, altbacken und sexistisch“), wundert sich aber viel mehr über den Werbeslogan selbst. Der ist auf Englisch und lautet „Looks like shit. But saves my life“. Übersetzt: Sieht scheiße aus – aber rettet mein Leben.

Das würde ein Amerikaner oder Engländer eigentlich eher nicht sagen, das Wort „shit“ gilt als obszön und ist tendenziell ein Tabu, zumal im offiziellen, öffentlichen Sprachgebrauch. In einem weiteren Artikel zum Thema Scheuer erscheinen die üblichen Auslassungszeichen „Looks like s---“. Mit einer gewissen Schadenfreude, ein Wort im Übrigen, das die englische Sprache aufgenommen hat, registriert die New York Times die sprachlichen Regelverstöße der Deutschen und erinnert an den „Shitstorm“, den Angela Merkel kürzlich auslöste, als sie eben dieses Wort in einer Ansprache benutzte. Im Englischen gilt auch der Shitstorm, der im Deutschen unschuldig als Entrüstungssturm im Internet daherkommt, als vulgäres Wort.