Zeitzeichen

So traurig?

Archivartikel

Sie hat uns auch dieses Jahr erreicht, die E-Mail, die darüber aufklärte, dass der angeblich traurigste Tag des Jahres bevorstehe: der „Blue Monday“. Er soll laut einem britischen Psychologen berechenbar sein und statistisch gesehen die höchste Zahl deprimierter Menschen auf sich vereinigen. Dass solch ein Tag auf einen Montag fällt, an dem für die meisten ein freies Wochenende vergangen ist und eine Reihe neuer Werktage ansteht, liegt nahe – ebenso, dass kaltes Januarwetter und früh einsetzende Dunkelheit zu ihm beitragen.

Die Frage, wer uns über diesen bevorstehenden Tag informiert hat, kann mit Rücksicht auf den Daten- und Personenschutz nicht beantwortet werden. Jedenfalls war es nicht der notorisch niedergeschlagene Charly Brown von den „Peanuts“. Und übrigens sollte die Mitteilung nicht deprimieren, sondern darüber aufklären, weshalb sich der vielleicht so traurige Adressat fühlte, wie er sich fühlte. Trost spendet da ein Dichterwort: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, meinte ein Jubilar des Jahres, der vor bald 250 Jahren geborene Friedrich Hölderlin. Auch dieser eine Montag hat nur 24 Stunden. Bis die verstrichen sind (und die kommenden Tage gleich dazu), bewährt sich ein weiteres Autorenwort – die Devise des Rainald Goetz, die da lautet: „Heule nicht, arbeite.“