Zeitzeichen

Spaß verderben gilt nicht

Archivartikel

Die Comicfans in den USA sind stinksauer. Heute kommt der aktuelle „Batman“-Band in den Handel, und normalerweise fiebern die Anhänger der Fledermausfigur voller Spannung jedem neuen Abenteuer ihres Helden entgegen. Aber dieses Mal ist alles anders. Die Tageszeitung „New York Times“ hat nämlich in einer Vorab-Besprechung den Verlauf der Geschichte verraten. Die Anziehungskraft des muskulösen Flattermanns ist dadurch jäh erschlafft – und die „Batman“-Gemeinde kocht vor Wut.

Der „New York Times“-Autor hat inzwischen öffentlich bedauert, die Comic-Anhänger um ihren Spaß gebracht zu haben. Die Schlusspointe eines Filmes oder Buches zu verraten, zählt zu den Todsünden eines Kulturjournalisten. Appetit auf ein Werk zu machen, ohne die Pointe zu verraten, das zeichnet einen guten Kritiker aus. Wer aber bei der Rezension eines Kriminalromans den Täter ausplaudert, kann sich warm anziehen. Der Zorn der Leser ist ihm sicher. Reifere Jahrgänge werden sich an den Skandal erinnern, mit dem der unvergessene Kabarettist Wolfgang Neuss 1962 die Bundesrepublik erschütterte. Er verriet einen Tag vor der Ausstrahlung im Fernsehen den Mörder von Francis Durbriges TV-Krimi „Das Halstuch“; damals ein echter Straßenfeger. Neuss wurde von erbosten Fans massiv bedroht. Beim Spaßverderben hört offenbar jeder Spaß auf.