Zeitzeichen

Sturm und Drang

Sie heißen „Götz von Berlichingen“, „Die Leiden des jungen Werthers“, „Die Räuber“, „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ oder „Die Fürstengruft“. Die Rede ist von Goethes, Schillers, Herders und anderer Dichter Werke, die man unter der Epoche des „Sturm und Drang“ zusammenfasst. Ihren Namen verdanken sie einer 1777 unter exakt diesem Titel veröffentlichten Komödie des deutschen Dichters Friedrich Maximilian Klinger. Den hat man allerdings schon fast aus dem Lexikon „verdrängt“.

Launig geht es in den Werken jener Epoche – die Titel verraten es – selten zu. So wie jugendliche Inbrunst sich im 18. Jahrhundert Luft verschaffen wollte, so drückt seit Tagen Gewitterschwüle auf unsere Köpfe. Es drängt und dräut unerträglich vor sich hin – im Wagner’schen Sinne macht sich gar „schwüles Gedünst“ breit. Bis es aber endlich zum finalen Sturmgewitter kommt, ist die Spannung schier unerträglich. Weniger spannend finden Generationen von Schülern indes die Lehrplanpflichtlektüre der „Sturm und Drang“-Werke. Fragt man, warum, erhält man die Antwort, „es sei zu schwülstig und lang“. So geht es reiferen Lesern mit dem Wetter, zu schwül und zu lang ist diese klimatische Drucksituation. Doch da müssen wir, ob jung oder alt, nun durch. Die gute Nachricht: „Sturm und Drang“ ist literarisch wie klimatisch Teil der Aufklärung, hoffentlich! Ralf-Carl Langhals