Zeitzeichen

Taktvorgaben

Archivartikel

Mit dem Takt ist das so eine Sache. Wenn einer oder eine ihn partout an- und vorgeben will, verbirgt sich dahinter oft ein nicht sehr taktvolles Wesen, das für Gemeinschaft keine guten Voraussetzungen bietet. Zwei- oder Viertaktmotoren laufen nur gleichsam gleichberechtigt rund und gut. Und Orchester brauchen zwar Dirigenten, jedoch sind die ganz scharf gestikulierenden unter diesen meist nicht die feinsinnigsten – entsprechend ist auch hierzulande der sogenannte deutsche Klang nicht mehr en vogue. Der Taktstock selbst mag als Bild für einen nicht so feinen Unterschied dienen: Einst waren das große Stäbe, die munter auf und ab bewegt wurden, so dass sie in sich gar eine Verletzungsgefahr bargen. Der französische Komponist Jean-Baptist Lully hat sich mit solch einem Ding einst eine Fußwunde zugefügt, an der er schließlich verstarb. Dass Taktstöcke längst viel kleiner und feiner geworden sind, ist also auch von daher eine gute Sache.

Am besten ist es wohl, wenn auch deren Nutzer ein taktvolles Wesen besitzen. Augenmaß und Zurückhaltung können indes nicht nur für Dirigenten großer Orchester eine gute Sache sein. Aber besonders dort wird schnell offenbar, dass Grobiane vom Format der überholten Taktstöcke wenig taugen, um sachgerecht den Takt anzugeben. Jedenfalls dann, wenn auf Feinsinn Wert gelegt wird und es nicht allein um Lautstärke geht. Thomas Groß