Zeitzeichen

Trauer um Biene Maja

Manchmal braucht es drastische Bilder, um auf Missstände hinzuweisen. Eine dieser Fehlentwicklungen ist das zunehmende Insektensterben, das seinerseits dazu führt, dass es auf Fluren und in Gärten immer stiller wird. Denn ohne Krabbelviecher wird die Speisekarte der Vögel immer karger. Und so gibt es auch immer weniger Piepmätze. Um darauf aufmerksam zu machen, wirbt das Naturkundemuseum Kassel jetzt für seine neue Ausstellung „Ausgesummt“ mit einer toten Comic-Figur, die an die Biene Maja erinnert. Denn leider gibt es immer weniger Tierchen wie „diese kleine, freche Biene“, die Schlagerstar Karel Gott einst in seinem berühmten „Maja“-Lied besang.

Die Kasseler Schau weist die Schuld für den Insektentod der industriellen Landwirtschaft zu. Getreidefelder glichen heute einer ökologischen Wüste, heißt es im Museum. Aber auch sterile Gartenanlagen, die nur noch aus Rasen bestehen, um als Grill- und Liegestuhlkulisse zu dienen, locken kaum noch Vögel und Insekten an. Denn die mögen es gerne unaufgeräumt. Zu blöd, dass aber allem Anschein nach die gemeine Stechmücke von der tierischen Sterbewelle nicht betroffen ist. Den Schreiber dieser Zeilen lieben sie jedenfalls heiß und innig. Von wegen „ausgesummt“. Georg Spindler