Zeitzeichen

Unbestechlich

Mit Schein und Sein ist das so eine Sache, weswegen sie leicht verwechselt werden. Kinder beispielsweise müssen erst lernen, dass es grüne Flüssigkeiten gibt, die aussehen wie Waldmeisterlimonade (falls die noch jemand mag), aber etwas anderes sind – Spülmittel zum Beispiel. Als kleine Person hatten wir mal „Aktenzeichen XY“ geschaut und uns dabei die verzwickte Frage gestellt, warum die Kripo noch immer nach Verbrechern sucht, denen wir im Filmbeitrag gerade noch bei ihren Untaten zusahen. Wäre es nicht besser gewesen, sie zu verhaften, statt sie zu filmen? Überhaupt die Damen und Herren, die man vom Bildschirm her kennt: In Wirklichkeit können sie völlig anders sein; beispielsweise „Tatort“-Kommissar Borowski, der sich als Stinkstiefel gibt, am Telefon nicht mit Namen meldet, sondern nur sagt: „Ich höre“! Der echte Axel Milberg, sein Darsteller, ist anders.

Gut, dass es unbestechliche Zeitgenossen gibt, die sich nicht täuschen lassen. In Kiel hat ein Ordnungshüter unbeirrt ein ohne Parkschein vor der Zentralbibliothek des Instituts für Weltwirtschaft abgestelltes Auto mit dem angemessenen Knöllchen versehen. Was interessiert den Mann, dass es, wie ihm ein Fernsehassistent versicherte, TV-Borowskis Dienstfahrzeug war, das gewissermaßen ordnungsgemäß dort stand, weil die Bibliothek im Fernsehen das Kommissariat ist? Richtig so. Und eigentlich brauchen wir viel mehr Menschen von der Sorte.