Zeitzeichen

Verwandtschaft

Des Menschen Verhältnis zu seinen mehr oder weniger nahen tierischen Verwandten ist ein buchstäblich weites Feld – und das nicht nur in Anbetracht von landwirtschaftlichen Aspekten, zu denen eben auch die Viehzucht zählt. Was verbindet Mensch und Tier, was unterscheidet sie? Tatsächlich sind sie sich wohl näher, als so mancher sich das wünscht. Das Tier habe nur Erde, der Mensch aber Welt, meinte der Philosoph Martin Heidegger, der damit auf einer weithin geteilten Unterscheidung aufbaute, nämlich dass Tiere wohl kaum Gedankengebäude errichten und weite geistige Horizonte erkunden. Ihre Verständigung vollzieht sich auch nicht derart differenziert, wie es die menschliche Sprache ermöglicht; einen tierischen William Shakespeare wird man nicht zuletzt deshalb kaum auffinden können.

Aber empfindungsfähig sind Tiere durchaus, auch denkfähig irgendwie, und zwar umso mehr, je höher sie entwickelt sind – und je näher sie dem Menschen stehen. Dass Letztere zumal ihre nahen Verwandten dennoch im Repertoire der Beleidigungen behalten, muss verwundern. Sturer Bock, Esel, Ochse – das mag angehen, wohl auch blöde Kuh. Und dass jemand esse wie ein Schwein, kann, durch subjektive Wahrnehmung begründet, wie eine sachliche Beschreibung wirken – oder auch, dass einer laufe wie ein Affe. Aber dummes Schwein, dummer Affe? Da wird’s ziemlich brenzlig.