Zeitzeichen

Vierzig Jahre nach Mickey

Mit tausend Schritten machts die Frau. Doch wie sie auch sich eilen kann, mit einem Sprunge machts der Mann.“ Der alte Goethe wusste schon, wie der Hase läuft. Davon wissen auch die Zeichentrick-Mäuse von Walt Disney ein Lied zu singen. Denn erst jetzt bekommt Minnie Mouse ihren Hollywood-Stern – sage und schreibe vierzig Jahre, nachdem ihrem männlichen Kollegen Mickey Mouse die gleiche Ehrung zuteilwurde. Und allem Anschein nach ist die Mäusedame auch die erste weibliche Zeichentrickfilmfigur, die derart gewürdigt wird.

Dabei ist Minnie ein Charakterkopf, der seiner Zeit weit voraus war. 1928 kam sie auf die Welt, als emanzipiertes Flapper Girl – so nannte man damals in den USA die Generation selbstbewusster junger Frauen, die mit kurzer Frisur und ebensolchen Röckchen ziemlich emanzipiert auftraten. Sie waren keck, hörten Jazz und pfiffen auf althergebrachte Rollenklischees.

Das mag man der niedlichen Minnie Mouse, die – das Glück aller Comic-Figuren – auch im fortgeschritten Alter ewig jung bleibt, nicht mehr ansehen. Im Lauf der Jahre wurde sie von ihren Designern auch etwas stromlinienförmiger angelegt. Aber sie hat sich ihre Unabhängigkeit bewahrt. Obwohl sie mit Mickey liiert ist, leben beide in getrennten Wohnungen. Minnie verfügt über ein eigenständiges, sehr temperamentvolles Wesen und ist sozial engagiert. Es ist längst übefällig, dass sie nun entsprechend gewürdigt wird. Georg Spindler