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Archivartikel

Dass die Welt der Bücher ein Spiegel unseres Daseins ist, versteht sich. Nahe liegt zudem, dass in diesen Spiegelungen eher Zeitbedingtes als Zeitloses überwiegt. Die Charakterisierung des Themas als „brisant“ unterstreicht es, wenngleich dies oft nicht nötig wäre. Aber Klappern gehört zum Handwerk, wie das Sprichwort meint – und sogenanntes Selbstmarketing ebenfalls. Das bestätigen die Verlagsvorschauen, mit denen Büchermacher jetzt wieder Handel und Redaktionen beglücken, damit letztere frühzeitig wissen, welche Titel sie am besten lesen und weiterempfehlen können. Besonders Sachbuchautoren geben glänzende Kurzbiografien an, um Anspruch und schlicht Brillanz zu unterstreichen. Das zugehörige Porträtbild sollte entweder betont entspannt oder überlegen wirken; eine leichte Untersicht der Betrachterperspektive macht Eindruck, ebenso lässig verschränkte Arme, obgleich sich so vielleicht die Assoziation zu alten Diktatorenporträts ergibt.

Auch nicht übel: Extravaganz – passt es nicht exzellent, wenn sich die Autorin des Romans mit exotischem Handlungsort mit großen Ohrgehängen und kurioser Pelzmütze präsentiert? Nicht zu vergessen der Titel: Originalität und Prägnanz sind dabei Trumpf – oder wie sonst soll man es nennen, wenn etwa ein Buch über das bekannteste Gesicht der AfD schlicht „Gauland“ heißt – Untertitel: „Die Rache des alten Mannes“ … Thomas Groß