Zeitzeichen

Wieso bitter?

Reisen bildet, heißt es, zuweilen hört man auch die Empfehlung, sich den Eigenarten gewisser Länder und Völker durch ihre Essgewohnheiten zu nähern. Was aber sagt es aus, dass Belgier mutmaßlich noch lieber Pommes frites verzehren als ihre nördlichen Nachbarn aus Holland und östliche, deutsche? Immerhin scheint der Genuss frittierter Grundnahrungsmittel Erfindungsreichtum jedenfalls nicht zu verhindern, soll doch ein Belgier ein Auto konstruiert haben, das mit altem Pommesfett angetrieben wird – also mit nachwachsendem Rohstoff, was gut in die nachhaltigkeitsorientierte Zeit passt. Und wie steht’s mit „Bitterballen“, eine ebenfalls in Benelux geschätzte frittierte Spezialität, die gerne nebenher, nicht zuletzt zum Bier, verzehrt wird?

Auch eine „Bittergarnitur“ ist geläufig, die kein (alkoholisches) Getränk einschließt, sondern Variationen von Bitterballen mit Käse oder Fisch. Tatsächlich bitter schmecken die Dinger übrigens nicht, das panierte Fleischragout dürfte in seiner Zusammensetzung so geheimnisvoll und vielfältig sein wie eine – die Fleischer unter den Lesern mögen den Vergleich nachsehen – gute deutsche Fleischwurst oder auch Lyoner. Dass sich Bitterballen mit Pommes frites kombinieren lassen, versteht sich. Weniger selbstverständlich ist, dass die schwere Kost bekommt – und was diese Ernährung namentlich über die Holländer aussagt. Da diese Menschen so gerne Rad fahren und häufiger Regenschauer wegen dabei oft nass werden, darf man vielleicht schließen, dass Bitterballen nicht nur kräftigen, sondern auch Abwehrkräfte stärken. Verschnupft geben sich Niederländer nämlich, scheint uns, eher noch weniger als andere Europäer.