Altlußheim

Im Porträt Florian Schmidt vertritt in der CDU-Fraktion die Interessen von Natur und Landwirtschaft / Hobby und Beruf sind für ihn eins

Außenbereich unbedingt erhalten

Altlußheim.An fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten lag es mit Sicherheit nicht, dass Florian Schmidt bereit war, auf der Liste der CDU für einen Sitz im Gemeinderat zu kandidieren. Der 28-jährige Obstbaumeister ist vor acht Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen und arbeitet parallel dazu beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg. Neben dem stetig expandierenden Obst- und Gemüseanbau in Direktvermarktung betreut er seit vergangenem Jahr ein Hühnermobil, züchtet schottische Hochlandrinder und ist stolzer Besitzer von drei Haflingern. Trotzdem zögerte er nicht mit seiner Zusage bei der Union, bei der er schon fünf Jahre zuvor auf der Vorschlagsliste gestanden hatte.

Das liegt wohl an Schmidts Sicht auf sein neues Amt, in das er mit 1200 Stimmen gewählt wurde: „Wenn man als echter Altlossemer im eigenen Ort mitwirken kann, macht das ja auch Spaß.“ Dass es für den Einzug in den Gemeinderat reichen würde, hatte er nicht erwartet, umso mehr freute ihn das Ergebnis: „Es ist toll, wenn man das Vertrauen der Bevölkerung kriegt.“

Über die damit verbundene zeitliche Zusatzbelastung macht Schmidt sich keine Gedanken, denn seine Erfahrung lautet: „Es geht immer alles irgendwie.“ Wie in seinem Beruf, in den er schon als Kind eingearbeitet wurde, will Florian Schmidt auch am Ratstisch zunächst überall mitlaufen und Einblicke bekommen, bevor er Verantwortung für bestimmte Bereiche übernimmt.

Wohnbedarf innerörtlich decken

Er hat die kommunalpolitischen Entscheidungen schon bisher verfolgt: „Es interessiert mich, was im Ort passiert.“ Daher drängt es ihn noch nicht in bestimmte Gremien, doch im Außenbereich kennt er sich durch seine Arbeit aus. Und sein Erhalt liegt ihm besonders am Herzen. Landfraß sei weltweit ein Problem, in seiner Heimatgemeinde will der Gemeinderat sich dafür einsetzen, dass nicht immer mehr zugebaut wird. „Wir haben nur den einen Boden, darauf werden unsere Lebensmittel produziert, ihn müssen wir schätzen und wahren.“

Als Anwohner der Rheinhäuser Straße hat er zum Dauerthema Tempo 30 eine Meinung: „Wenn das nachts durchgesetzt werden könnte, wäre ich sehr dankbar, denn dann flitzen die wirklich hier durch.“ Tagsüber mache das weniger Sinn, wie sich in der Hauptstraße zeige, da das Verkehrsaufkommen ohnehin keine höhere Geschwindigkeit zulässt.

Die privilegierte Lage Altlußheims am Rheinbogen könnte nach Meinung des Obstbaumeisters noch stärker hervorgehoben werden. Dass er als Verbindungsgemeinderat zur Feuerwehr fungiert, lag nahe: Schon sein Großvater und Vater waren bei der Wehr, Florian Schmidt lange aktiv, nun aus Zeitmangel passiv. Die ersten Sitzungen des Gemeinderats fand er „recht interessant“, das gute Miteinander, das die Fraktionen bei der konstituierenden Sitzung gelobten, sollte eine Selbstverständlichkeit sein: „Darauf sollte schon ein Augenmerk gelegt werden, auch wenn akzeptiert werden muss, dass jeder seine eigenen Vorstellungen und Meinungen hat.“

Kindern Einblicke in Natur bieten

Obwohl er seit 2011 mit Beginn seiner Ausbildung die Umstellung auf Sonderkulturen konsequent verfolgt hat und sicher ist, damit auf dem richtigen Weg zu sein, möchte er die Tiere nicht mehr missen: „Das gehört einfach dazu.“ Damit verfolgt Schmidt auch ein weiteres Anliegen: „Durch das Neubaugebiet haben wir so viele Kinder im Ort, und ich finde es wichtig, dass sie sehen können, dass Hühner Eier legen und Kühe nicht lila sind.“ Teilweise erschrecke es ihn, wie wenig die jungen Altlußheimer wissen, die bei Betriebsbesichtigungen am Ortsrand seine Hühner oder Hochlandrinder besuchen.

Erdbeeren und Himbeeren sind der Schwerpunkt des Betriebs, außerdem baut der Obsthof Aprikosen, Pfirsiche und Zwetschgen an. Richtung Neulußheim wächst Gemüse in Folientunneln. Weitere Tunnel sollen auch dabei helfen, das Erntefenster für Erd- und Himbeeren zu erweitern. Erstaunlich gut laufe das Blumenfeld zum Selbstschneiden. Die steigende Nachfrage nach Eiern (der Automat vorm Laden ist rund um die Uhr geöffnet) deckt der ledige 28-Jährige mit dem Anfang 2018 eingeführten Hühnermobil, dem bald ein zweites folgen soll.

Nach Hobbys befragt, nennt Florian Schmidt, der am LTZ Obstsorten testet, nicht nur die Hochlandrinder und die Pferde, sondern eigentlich seine gesamte berufliche Tätigkeit: „Das ist praktisch alles eins bei mir.“ Spätestens mit 30 Jahren will er einen Auszubildenden in den Betrieb mit aufnehmen. Das Obstjahr 2019 macht ihm bislang große Freude: „Die Ernte könnte nicht besser sein.“ Das galt auch für die Stimmenernte am 26. Mai.

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