Altlußheim

Eckpunkte Gemeinde setzt beim Wachstum auf die Erschließung von Quartier-Innenbereichen / Zahlreiche Gebäude weichen neuem Wohnraum

Bauvorhaben sind gegen das Virus gefeit

Archivartikel

Altlußheim.Haben Sie schon einmal über ihre Schnürsenkel nachgedacht? Oder über ihren Reißverschluss? Wahrscheinlich nicht, an diese Dinge erinnert man sich nur, wenn sie nicht funktionieren, wenn der Schnürsenkel reißt oder der Reißverschluss hakt. Ähnlich verhielt es sich mit dem nun zu Ende gehenden Corona-Jahr – vieles, was einem selbstverständlich schien, wurde nun, da es nicht mehr greifbar war, schmerzlich vermisst. Die Vereinsarbeit ruhte, Probe und Übungsstunden waren gestrichen, spontane Restaurantbesuche lange Zeit undenkbar und in die Kirchen geht es fast nur noch mit Anmeldung.

Es gibt wahrlich Grund genug, den Geschmack, den das Jahr 2020 hinterlassen hat, mit einem kräftigen Schluck Sekt auszulöschen. Auch wenn es einem deutlich vor Augen führte, was ein lebendiges Vereinsleben für eine Gemeinde bedeutet. Keine Premiere bei den „Brettlhupfern“, kein Konzert des AGV, von einem Kirchenkonzert ganz zu schweigen und auch die zahlreichen Feste, die im Sommer willkommene Anlaufstellen sind, waren gestrichen.

Schmerzlich war zu spüren, dass vieles, was wie selbstverständlich konsumiert und genossen wird, nur möglich ist, wenn das Vereinsleben funktioniert. Weshalb man nur hoffen kann, dass die Vereine gesund aus der Zeit der Pandemie zurückkehren und sich daranmachen, die Zahnrädchen des täglichen Lebens zu schmieren.

Dennoch, das Virus war zwar das Jahr über präsent, seinem Stempel hat es ihm dennoch nicht gänzlich aufdrücken können, in der Gemeinde gab es durchaus Begebenheiten, die es wert sind, die Chronik zu füllen. Als Jahresbegleiter kann dabei der neue katholische Kindergarten erwähnt werden, der als Rohbau den Januar erblickt, sich schlüsselfertig im Dezember verabschiedete.

Raum für acht Gruppen

Acht Gruppen bietet der ebenso funktionale wie freundlich wirkende Neubau Raum, wobei jeder Gruppe ein Gruppenraum, 44 Quadratmeter, ein Nebenraum, 32 Quadratmeter, und ein Schlafraum, 23 Quadratmeter, zugestanden wird, in der Summe fast 100 Quadratmeter pro Gruppe. Hinzu kommen die erforderlichen Sanitärräume, ein großer Gymnastikraum, Küchen, Personalräume und Büros sowie Technikräume. 1830 Quadratmeter Nutzfläche in der Summe, rund vier Millionen Euro investiert die Gemeinde in die Kinderbetreuungseinrichtung.

Begonnen hatte das Jahr mit einem Paukenschlag – die Firma Metalux will expandieren, mit ihren Produktionsflächen den Sportplatz überbauen. Ein Vorhaben, dem der Gemeinderat positiv gegenüberstand, in dem er die entsprechenden Bebauungspläne änderte, so dass das Sportgelände auf die Fläche nördlich der Rheinfranken-Halle verlagert werden kann. Wann das Vorhaben in die Tat umgesetzt wird, ist noch ungewiss.

Auf der anderen Seite der Kirschenstraße wurden hingegen schon Nägel mit Köpfen gemacht – wo vor Kurzem noch die Firma Zechel-Pappteller ihren Sitz hatte, stehen nun schmucke Einfamilienhäuser, wurde Wohnraum für 18 Familien geschaffen. Auch am anderen Ende der Gemeinde hat es eine Veränderung gegen – das Gebäude der traditionellen Gaststätte „Rheinlust“, die Gastronomie war schon länger aufgegeben worden, wurde abgerissen und macht Platz für eine Wohnbebauung.

Stichwort Veränderungen: Die mächtige Trauerweide am Festplatz, eines der markanten Wahrzeichen der Gemeinde, musste gefällt werden. Vieles hat der mächtige Baum am Ufer des Rheins gesehen und erlebt – nun wurde ihm der Klimawandel zum Verhängnis. Es wird wohl Ersatz gepflanzt werden, doch von diesem werden erst die nachfolgenden Generationen profitieren.

Profitieren können hingegen in Bälde alle vom neuen Vogelpark, so denn die Pandemie einen Besuch in demselben wieder zulässt. Ein neues Team schickte sich an, dem Park neues Leben einzuhauchen, traf sich regelmäßig zu Arbeitseinsätzen und wollte die „neue“ Anlage eigentlich am Maifeiertag der Öffentlichkeit vorstellen – auch hier gilt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Hingegen war das Glück zwischen Lockdown und Herbstbeginn dem Blausee hold – dank großen Anstrengungen der Gemeindeverwaltung und der Bäderleitung konnte die Freizeitanlage öffnen – wenn auch unter großen Restriktionen. Doch es hat sich gelohnt, trotzt der verkürzten Saison und den maximal 2000 Besuchern, die gleichzeitig den Blausee aufsuchen durften, konnte sich das Ergebnis sehen lassen.

Überregional bekannt geworden

Ein positiver Nebeneffekt hatte die Pandemie für den See zu bieten – da er als eines der wenigen Gewässer in der Region offen hatte – viele Schwimmbäder blieben geschlossen – kamen Besucher nicht nur aus der ganzen Region, sondern auch aus weiterer Entfernung. Was der schmucken Anlage sicher einige Fans bescherte, die ihr auch in Zukunft treu bleiben werden.

Vieles wäre noch zu sagen über dieses komische Jahr, in dem trotz der fast ganzjährigen Lähmung des öffentlichen Lebens viel bewegt wurde. Oft waren es kleine Schritte, die das Leben bereicherten, so die Arbeiten am Kriegbach, der für kleine Lebewesen stromaufwärts durchgängig gemacht wurde, das Wachküssen des TCC Waldhaus aus seinem Dornröschenschlaf oder – auch dies ein Nebenaspekt der Pandemie – die Ausstattung der Albert-Schweitzer-Schule mit iPads, die Digitalisierung schreitet voran.

Vorwärts geht es bei der Sanierung der Salierbrücke, ein Ende scheint in Sicht und auch der Umbau der Kreuzung am Lußhof nimmt Gestalt an. Und wenn die Zeit des Lockdowns endet, dann können sich die Bürger ein Bild davon machen, wie die evangelische Kirche nun im Inneren aussieht – die Renovierungsarbeiten sind auf der Zielgeraden.

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