Altlußheim

Kriminalitätsstatistik Rauschgiftdelikte und Warenbetrug treiben die Fallzahlen in die Höhe / Zahl der Pkw-Aufbrüche rückläufig / Wohnungseinbrüche nehmen zu

Bürger dürfen sich durchaus sicher fühlen

Archivartikel

Altlußheim/Neulußheim/Reilingen.Dem Blick in die Kriminalitätsstatistik des Polizeireviers Hockenheim, zu dem neben der Großen Kreisstadt auch die Gemeinden Alt- und Neulußheim sowie Reilingen zählen, müssen zur besseren Verständlichkeit einige Bemerkungen vorangestellt werden.

Manfred Krampfert, der Leiter des Reviers, führt seit Jahren seine eigene Kladde, in der er aktuell die Durchschnittszahlen der vergangenen 15 Jahre ausweist. Was ihm erlaubt, gewisse Zahlen in einen größeren Zusammenhang zu stellen und damit zu relativieren.

So wurden beispielsweise auf dem Gebiet des Polizeireviers im vergangenen Jahr 24 Wohnungseinbrüche verzeichnet, gegenüber dem Vorjahr, als nur 15 Fälle zur Anzeige gebracht wurden, eine deutliche Steigerung. Allerdings, in der langjährigen Betrachtung liegt diese Zahl bei 34 Fällen im Jahr. Womit die Zahl der Wohnungseinbrüche noch unter dem Langzeitniveau liegt.

Zahlen richtig einordnen

Ganz klar, so Krampfert, bei diesen den unmittelbaren Kern der privaten Lebensführung stark belastenden Taten, ist jede eine zu viel, dennoch helfe die langfristige Betrachtung, die Zahlen in einen größeren Kontext einzuordnen.

Eine andere Zahl ist die Häufigkeitsziffer. Mit ihrer Hilfe wird die Zahl der erfassten Straftaten auf 100 000 Einwohner hochgerechnet, so dass sich eine Vergleichbarkeit für Kommunen unterschiedlicher Größen ergibt. In denen sich zugleich das Stadt-Land-Gefälle widerspiegelt. So liegt die Häufigkeitszahl für Mannheim beispielsweise bei 10 124, für Heidelberg bei 9117. Der Durchschnittswert für den Rhein-Neckar-Kreis beträgt 4415.

Häufigkeitsziffer liegt im Rahmen

Im Stadtgebiet Hockenheim liegt dieser Wert bei 7801 und damit in etwa auf dem Niveau von Schwetzingen, 7894. Reilingen ist nicht weit davon entfernt, kommt auf einen Wert von 5976. Zum Vergleich – Altlußheim, 3685, und Neulußheim, 2876, liegen weit unter diesem Wert.

Doch Reilingen ist nun mitnichten eine Hochburg des Verbrechens, es teilt sich nur mit der Großen Kreisstadt Hockenheim die Besonderheit, eine Tank- und Rastanlage auf seiner Gemarkung zu haben. Während die Anlage in Richtung Süden auf westlicher Seite, auf Hockenheimer Gemarkung liegt, gehört die östliche Seite in Fahrtrichtung Norden zur Reilinger Gemarkung.

Nach dem Tatortprinzip der Kriminalstatistik werden Straftaten der Gemarkung zugeordnet, wo sie festgestellt wurden. Insbesondere im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie der Rauschgiftkriminalität resultiert rund ein Drittel der Delikte aus dem Bereich der Autobahn. Rechnet man diese Zahlen heraus, verringert sich die Häufigkeitszahl für Hockenheim auf 5836, für Reilingen auf 4692.

Ermittlungsarbeit trägt Früchte

Ein immer noch hoher Wert, der sich allerdings zum Teil mit der erfolgreichen Arbeit der Polizei erklären lässt. Je mehr Fälle sie aufdeckt, umso mehr fließen in die Statistik ein. Dies gilt insbesondere für die Rauschgiftkriminalität. Hat die Polizei einen Täter dingfest gemacht, gelingt es ihr meistens, weitere Straftaten aufzuklären. Was sich in hohen Ermittlungsquoten, meist 100 Prozent, in diesem Bereich niederschlägt, da die Polizei selbst ermittelt.

Dieser Umstand lässt sich auch daran ablesen, dass Reilingen bei der Aufklärung aller Straftaten einen Spitzenwert von 73,2 Prozent aufweist, hinter dem sich unter anderem die Rauschgiftdelikte verbergen. Diese Momentaufnahme schlägt sich auch bei den ermittelten Tatverdächtigen nieder, insgesamt 299. 41 von ihnen waren weiblich, 258 männlich. Doch während der Anteil der unter 21-Jährigen 2018 noch 15 Prozent betrug, lag er im vergangenen Jahr bei 28 Prozent.

Der zweite Aspekte, der die Zahlen nach oben treibt, ist der Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte, der sich in Reilingen von 30 Fällen im Jahr 2018 nunmehr auf 66 Delikte mehr als verdoppelt. Der langjährige Schnitt liegt übrigens bei 37 Fällen jährlich. Doch auch der langjährige Wert wird sich sicherlich erhöhen – es handelt sich bei den Delikten überwiegend um Waren- und Warenkreditbetrug, Delikte die im Zuge der Zunahme des Onlinehandels gleichfalls ansteigen.

Verdoppelt hat sich in der Gemeinde die Zahl der Wohnungseinbrüche – von vier auf acht und damit auf mehr als im langjährigen Mittel, hier sind es sieben Fälle jährlich. Auch bei den Rohheitsdelikten gab es eine Steigerung, die Zahl kletterte von 31 auf 37 Delikte, das langjährige Mittel liegt bei 30 Fällen. Überwiegend handelt es sich dabei um vorsätzliche Körperverletzungsdelikte. Hingegen wurden bei der Straßenkriminalität nur noch 38 statt 60 Fälle im Vorjahr verzeichnet – ein historischer Tiefstwert, der Durchschnitt liegt bei 66 Delikten im Jahr.

Sehr hohe Aufklärungsquote

Durchweg erfreulich hingegen sind die Zahlen für Neulußheim. Die Vier-Sterne-Gemeinde verzeichnet mit nur 205 Straftaten insgesamt – im vergangenen Jahr waren es 288 Delikte, im Durchschnitt sind es 218 im Jahr, einen Tiefstand.

Von diesen Fällen wurden obendrein 120 aufgeklärt, so dass die Aufklärungsquote auf 58,5 Prozent stieg, der höchste Wert in der Gemeinde seit 15 Jahren. Insgesamt wurden 112 Tatverdächtige ermittelt, 86 Männer und 26 Frauen, darunter 21 Personen unter 21 Jahren.

Die deutlichsten Rückgänge im vergangenen Jahr verzeichneten die Diebstahlsdelikte, von 100 auf 52, die Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen, von 31 auf neun, und die Rohheitsdelikte, von 39 auf 31. Zwar stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche von eins auf vier, die der Pkw-Aufbrücke von sechs auf sieben, doch liegen beide Zahlen weit unter dem langjährigen Mittel von fünf beziehungsweise 13 Delikten.

Bei den Rauschgiftdelikten, von 21 auf 33, und den Vermögens- sowie Fälschungsdelikten, 38 statt 40, gelten die gleichen Aussagen wie bei Reilingen. Auch bei den Rauschgiftdelikten, überwiegend ging es um den Besitz von Cannabis, schlägt sich die Polizeiarbeit der Nachermittlung nieder.

Weniger Fahrraddiebstähle

Ähnlich entspannt präsentiert sich die Lage in Altlußheim – allerdings mit zwei Einschränkungen: Zwar ging die Zahl der gesamten Straftaten von 251 auf 226 zurück, im langjährigen Mittel liegt der Wert bei 207, doch sank gleichzeitig die Aufklärungsquote auf 48,2 Prozent.

Besonders stark fällt der Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen auf, die Zahl stieg von zwei auf neun und liegt damit weit über dem langjährigen Mittel von fünf Delikten jährlich. Rückläufig ist die Zahl der Pkw-Aufbrüche, elf statt 15 im Vorjahr und auch die Zahl der Rohheitsdelikte ging von 46 auf 27 zurück und damit hinter den langjährigen Wert von 29 Delikten per anno.

Zugenommen hat die Zahl der Diebstähle von gesicherten Fahrrädern, sieben statt vier im Vorjahr, wohingegen die Zahl der Rauschgiftdelikte von 18 auf 14 sank. Und wie im gesamten Reviergebiet – die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte, einhergehend mit dem steigenden Online-Handel, nimmt auch in der Gemeinde weiter zu.

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