Altlußheim

Kindertreff Point Nach dem Ende der Ära Scheckeler soll die Arbeit in vollem Umfang weitergehen / Verwaltung will Postillion ins Boot holen statt Stellenausschreibung

Dienstleister wäre das Ende für den Trägerverein

Archivartikel

Neulußheim.Es mussten schon einige Stühle geschleppt werden, bis jeder Besucher bei der Ratssitzung einen Platz hatte. „Mehr geht nicht“, war sich Bürgermeister Gunther Hoffmann sicher, als er die Sitzung im proppenvollen Bürgersaal eröffnet. Gleich zu Beginn der Sitzung wurde deutlich, welchem Punkt die Hauptaufmerksamkeit der Besucher galt: der Neubesetzung der Leitung des Jugendtreffs Point.

Ein weiteres Kontingent betraf eine Reihe junger Mütter, die sich sorgen, dass es in der Gemeinde nicht genügend Kindergartenplätze gibt. Wobei der Fokus auf dem Bereich der Ganztagsbetreuung liegt, denn die Mütter sind berufstätig, schon jetzt darauf angewiesen, dass ihre unter dreijährigen Kinder tagsüber betreut werden. Dies sei, so der Tenor der jungen Frauen, nicht mehr gewährleistet, wenn die Kinder drei Jahre alt sind und in den Kindergarten kommen, der nicht den ganzen Tag abdeckt.

Ganztagesplätze sind Mangelware

Auch für Hoffmann ein Problem, das auf seine Lösung wartet. Allerdings sah er die Verwaltung außen vor. Diese habe ihre Hausaufgaben gemacht. Sowohl der gesetzliche Anspruch an Krippenplätze als auch der an Kindergartenplätzen sei erfüllt. Sowohl im Ü 3- als auch im U 3-Bereich reichten die Plätze aus, verkündete der Bürgermeister und legte den Finger in die Wunde: „Was nicht reicht, sind Ganztagesplätze im Kindergarten, im Ü 3-Bereich.“

Doch für diese gebe es keinen Rechtsanspruch. Hierbei handele es sich um eine politische Entscheidung, sei der Gemeinderat gefordert zu entscheiden, ob er die zusätzlichen finanziellen Mittel stemmen kann. Hoffmann bat, die Entwicklung bis zum Herbst abzuwarten, bevor der Rat über den Sachverhalt diskutiert. Denn, so der Bürgermeister, Bedarf und Wunsch in Einklang zu bringen, sei eine finanzielle Herausforderung,

Zurück zum Point, der auch für Kinder relevant ist, immerhin deckt der Jugendtreff ein Angebot für sechsjährige Kinder bis junge Erwachsene ab. Aufgebaut und geprägt wurde der Treff in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch Mäggie Scheckeler, die sich nun beruflichen verändern möchte und ihre Arbeit in der Gemeinde zum 1. Mai beendete.

Unumstritten im Rat waren an diesem Abend die Würdigung der von Scheckeler geleisteten Arbeit und der Wille, den Jugendtreff weiterzuführen. Und zwar mit einer Vollzeitstelle wie bisher. Mit anderen Worten: Am Angebot soll es keine Abstriche geben. Mit einer Ausnahme: Die Verwaltung schlug vor, die Stelle nicht auszuschreiben, sondern einen entsprechenden Vertrag mit dem Verein Postillion zu schließen.

Die Kosten, argumentierte Hoffmann, blieben gleich, der Vorteil wäre eine größere Flexibilität, beispielsweise bei Urlaubsvertretungen oder im Krankheitsfall. Und ob die richtige Person für die Nachfolge von Scheckeler gefunden werde, sei in beiden Fällen offen.

Dem konnten die Besucher, die sich zu Beginn der Sitzung bei den Anfragen vehement zu Wort meldeten, so nicht folgen. Denn sie sind Mitglieder des Vereins für kommunale Kinder- und Jugendarbeit (VKKJ), der eine Neulußheimer Besonderheit darstellt. Er ist der Trägerverein des Jugendtreffs, hat die fachliche Aufsicht, wie es in der 1997 verabschiedeten Konzeption geregelt ist, und ist zuständig für die offene Jugendarbeit. Eine enge Verzahnung, die sich in der Vergangenheit bewährt hat, wie von Seiten des Vereins zu hören war. Denn der Point lebe nicht nur von der Leitung, sondern auch von den Ehrenamtlichen.

Dem Verein ist die Beteiligung wichtig, denn viele seiner Mitglieder sind ehemalige Besucher des Points, die in ihm sozialisiert wurden und nun diese Erfahrung an die nächste Generation weitergeben wollen. Denn die Kinder sollen eine Chance auf Bildung und Integration haben und einen Ort, der ihnen Rückzugsmöglichkeiten bietet.

Komme der Postillion zum Zuge, befürchtet der Verein um seine Existenz. Eine Befürchtung, die von der CDU nicht geteilt wurde. Wie Thomas Birkenmaier betonte, ist der Union die Jugendarbeit sehr wichtig, soll der „Jugendtreff Point weiterhin in vollem Umfang erhalten bleiben und eine professionelle Einrichtung wie der Postillion beim Thema Personal die Gemeinde“ unterstützen. Auch Sven Nitsche (FWV) sah keinen Zwiespalt zwischen Stellenausschreibung und Dienstleister. Zumal er die Gefahr, dass die Konzeption des Trägervereins „den Bach runter geht“ nicht sah. Auch er stimmte für den Postillion, der höheren Flexibilität wegen.

Monika Schroth (Grüne) erinnerte an die 800 bis 1000 Stunden, die von den Ehrenamtlichen jährlich geleistet würden und die mit dazu führten, dass es im Point kaum Schließtage gibt. Dies könne der Verein weiterhin leisten, nicht jedoch, wenn ein Dienstleister zum Zuge komme, dann verliere er seinen Vereinszweck. Zumal die Gemeinde dann bei der Stellenbesetzung kein Mitspracherecht mehr hätte und dies in einem Bereich, wo die Chemie stimmen müsse. Schroth sah das Ende eines erfolgreiche Projekts kommen und die Ehrenamtlichen vor den Kopf gestoßen.

„Paket der Selbstverantwortung“

Dem schloss sich die fraktionslose Ingeborg Bamberg an, für die es wichtig ist, die Stelle selbst zu besetzen, denn von ihr gehe eine wichtige Identifikationswirkung aus. Auch Hanspeter Rausch (SPD) lobte die mutige Entscheidung vor 20 Jahren für den Trägerverein. Dadurch sei in der Gemeinde eine Struktur gewachsen, um die sie von vielen Kommunen beneidet werde. „Die Kinder hängen nicht nur ab, sie lernen Respekt und Verantwortung“, lobte er die im Point geleistete Arbeit.

An diesem „Paket der Selbstverantwortung“ solle nicht gerüttelt werden, so Rausch, der sich für eine Stellenausschreibung aussprach und einen Passus, der dem Verein weiterhin die Fachaufsicht zusichert. Ferner rügte er, dass dem Rat kein Vertrag mit dem Postillion vorliege, er so nicht entscheiden könne. Und es müsse rechtlich geklärt werden, ob es zwei Trägervereine, Postillion und VKKJ, geben könne.

Nachdem sich die Diskussion im Kreise drehte, sich immer mehr auf die Funktion des Trägervereins konzentrierte – Ausschreibung oder Vergabe spielen nicht die entscheidende Rolle – zog Bürgermeister Hoffmann den Punkt zurück. Er wird mit dem Postillion verhandeln, die Modalitäten abklopfen und den Punkt in sechs bis acht Wochen erneut auf die Tagesordnung setzen. aw

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