Altlußheim

Obstplantage Schutzberegnung soll Blüten und Blätter der Bäume vor den Folgen des nächtlichen Frostes schützen

Ein verwunschen schöner Anblick

Altlußheim/Neulußheim.Es ist schon ein bizarres Bild, dass uns der Biologe Uwe Heidenreich in die Redaktion geschickt hat. Es zeigt eine frühlingshafte Wiese, auf der sich die Gänseblümlein tummeln. Was ja auch zur Jahreszeit passt. Befremdlich dagegen wirken die Apfelbäumchen, die von einer dichten Eisschicht überzogen sind. Was einen einfachen Grund hat, wie der Biologe anmerkte, es handelt sich um eine sogenannte Frostschutzberegnung.

Dabei werden Blätter und Blüten bei Frosteinbrüchen während der Vegetationsperiode mit einem feinen Wassernebel besprüht, um sie zu schützen und einen späteren Ernteausfall zu vermeiden. Ursache der momentanen Situation ist ein kräftiges Hoch über dem Baltikum, das uns tagsüber strahlenden Sonnenschein beschert, dafür jedoch, insbesondere nachts, für Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sorgt. Für die Obstbäume, die zum Teil schon in Blüte stehen, eine gefährliche Lage. Vor drei Jahren sorgte Spätfrost im April bei Winzern und Obstbauern für erhebliche Ernteausfälle – teilweise war die ganze Ernte verloren.

Dem will man mit der Frostschutzberegnung vorbeugen. So wie die Vegetation am Boden im Winter unter der Schneedecke geschützt ist oder sich der Eskimo seinen Iglu aus Eis baut, um sich vor dem Erfrieren zu schützen, so funktioniert auch die Frostschutzberegnung. Fallen die Lufttemperaturen unter ein halbes Grad Celsius, beginnt man mit der ununterbrochenen Beregnung, wodurch sich auf den frostempfindlichen Pflanzenteilen ein wachsende Eisschicht bildet. „Beim Gefrieren des Wassernebels wird die Erstarrungswärme des Wassers freigesetzt – pro Liter Wasser etwa 335 kJ – wodurch die Temperatur innerhalb der Eishülle nicht unter den Gefrierpunkt absinkt. Insbesondere bei späten Nachtfrösten kann damit während der kritischen Stunden das Erfrieren der empfindlichen Blüten vermieden werden“, stellt Wikipedia in seiner wissenschaftlichen Erklärung fest.

Wir als Laien können nur konstatieren – es wirkt und sieht in den frühen Morgenstunden verwunschen schön aus. Wer es sich einmal ansehen möchte, der sollte sich nach einer knackigen Nacht auf den Weg in die Silzwiesen machen, dort findet sich die Apfelplantage der Familie Hoffmann aus Neulußheim.

Allerdings, entweder mit dem Rad oder auf Schusters Rappen – denn es handelt sich um ein Schutzgebiet und da ist das Befahren mit Kraftfahrzeugen ausdrücklich untersagt. aw

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