Altlußheim

Fluglärm Neue Platzrunde für Tragschrauber komplett auf Speyerer Gemarkung / Bundestagsabgeordneter Gutting bringt neue Einstufung der lauten Fluggeräte auf den Weg

Gyrocopter werden stark eingeschränkt

Archivartikel

Altlußheim/Speyer.Im Juni 2017 kochten in Altlußheim die Wogen hoch. Es hatte sich eine Bürgerbewegung gebildet, die es sich nicht länger gefallen lassen wollte, dass ihnen das gemütliche Wochenende im Garten auf der Sonnenliege oder beim Grillen durch die lauten Rotorblätter sogenannter Gyrocopter verdorben wird. Der Feind war schnell ausgemacht: Der Speyerer Flugplatz und dessen Geschäftsführer Roland Kern.

Womit die meisten Gegner, unter ihnen sogar selbst ein Pilot, allerdings nicht gerechnet hatten: Kern stellte sich einem Informationsgespräch und erklärte, dass er gar nicht in der Lage sei, Gyrocopter zu verbieten. Und er empfahl den Anwesenden, sich an die Bundespolitik zu wenden, denn nur die könne Änderungen in der Einstufung der Fluggeräte vornehmen. Denn die lauten Gyrocopter, die noch dazu sehr langsam fliegen und damit umso länger stören, waren damals als Sportgeräte ausgewiesen und unterlagen somit keinerlei Lärmschutzbestimmung der Flugplätze. Und das ist jetzt tatsächlich anders geworden.

Für die Bürger seines Wahlkreises eingesetzt hat sich – nach einem intensiven Fachgespräch mit dem Flugplatzchef Kern – der ebenfalls nahe der Speyerer Platzrunde wohnende CDU-Bundestagsabgeordnete Olav Gutting: „Ausgelöst wurden die Bemühungen, die luftfahrttechnische Einordnung von Gyrocoptern zu erfahren, durch eine Resolution der Gemeinde Altlußheim zur Verringerung von Fluglärm und durch die Beschwerde einer Bürgerinitiative aus Bruchsal, die sich gegen den dort von Ultraleichtflugzeugen verursachten Lärm auf dem Gelände der Eichelbergkaserne wandten. Die Resolution aus Altlußheim hatte zum Ziel, die von Propeller-Leichtflugzeugen, also eben diesen Gyrocoptern ausgehenden Lärmbelästigungen über eine Änderung der Landeplatz-Lärmschutzverordnung zu verringern. Die Antwort aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium von Ministerialdirektor Dr. Uwe Lahl im Juli 2018 lautete dann, dass das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sich bereiterklärt habe, bis zur Sitzung des Bund-Länder-Fachausschusses Luftfahrt im November 2018 diese Frage zu prüfen“, so Gutting auf Anfrage unserer Zeitung.

Im Bundesministerium wurde zuerst geprüft, ob man für die Musterzulassung eine Lärmabsenkung vorschreiben kann, sah dann aber die Gefahr, dass ein Großteil der existierenden Modelle dann nicht mehr zugelassen werden dürften. „Stattdessen sollten Tragschrauber – genauso wie Ultraleichtflächenflugzeuge – mit in die Landeplatz-Lärmschutz-Verodnung aufgenommen werden. Bislang bestand für die Hersteller keine konkrete Veranlassung, lärmmindernde Maßnahmen für Tragschrauber zu entwickeln, die über die Zulassungsgrenzwerte hinausgingen. Durch die Aufnahme von Tragschraubern in den Lärmschutz erwarten wir einen starken Anreiz zur Entwicklung lärmarmer Fluggeräte“, antwortetet der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger dem Abgeordneten Gutting. Gutting begrüßt die Lösung, die jetzt noch den Bundestag passieren muss. Das scheint allerdings reine Formsache zu sein. Der Flugplatz Speyer hat jetzt zwei wichtigen Maßnahmen ergriffen, die die Bewohner in Altlußheim und Rheinhausen erheblich entlasten dürften. Zum einen hat Roland Kern eine neue Platzrunde ausarbeiten lassen. Auf dieser imaginären Luftstraße müssen sich Piloten bewegen, wenn sie den Platz anfliegen und wenn sie Übungsflüge machen. Dabei dürfen Tragschrauber (Gyrocopter) künftig nur noch über Speyerer Gemarkung jenseits des Rheins unterwegs sein und können so auch schnelleren Propellermaschinen und Jets kaum ins Gehege kommen.

Am Wochenende nur morgens

Zum anderen – und das beruht eben nun auf der neuen Eingruppierung der Tragschrauber als Luftfahrzeuge, die ein Lärmzeugnis benötigen – dürfen sie, sobald es durch den Bundestag so beschlossen ist, nur noch zu bestimmten Zeiten hier entlang rattern. Schon werktags dürfen sie nicht vor 7 Uhr und nicht in der Mittagszeit von 13 bis 15 Uhr starten und landen. Noch drastischer sind die Einschränkungen an Wochenenden und Feiertagen. Samstags und sonntags geht vor 9 Uhr gar nichts und ab 13 Uhr bis Sonnenuntergang ebenfalls nicht mehr. Lediglich von 9 bis 13 Uhr ist dann noch Flugbetrieb mit Gyrocoptern gestattet.

Und es sind bereits weitere Maßnahmen geplant. Darüber will Roland Kern aber noch nichts sagen, bevor der Aufsichtsrat nicht getagt und Entscheidungen getroffen hat. Weiterhin gilt natürlich die Anweisung, die jeder Pilot, der den Flugplatz Speyer anfliegt, in seinem Handbuch für die Flugsicherheit findet, in der auch die Koordinaten für die Platzrunde stehen. Dort heißt es: „Der Dombereich des Stadtgebiete Speyer sowie das Freibad sind lärmempfindliche Gebiete, ebenso Oberhausen, Rheinhausen und Alt-/Neulußheim. Überflüge sind möglichst zu vermeiden. Bei An- und Abflügen dürfen die östlich und südöstlich gelegenen Raffinerien nicht überflogen werden.“ Bild: dpa

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional