Altlußheim

Industriegeschichte Die Silotürme der ehemaligen Zuckerfabrikation sind abgerissen

Haben die Silhouette geprägt

Waghäusel.Was haben der Kirchturm der Wallfahrtskirche und die beiden Silotürme der früheren „Zuckerfabrik“ gemeinsam? Sie sind typisch für Waghäusel: Eine Art „Wahrzeichen“ Waghäusels, das ja längst zur Großen Kreisstadt mit seinen knapp über 20 000 Einwohnern geworden ist. Diese „Erkennungsfunktion“ muss nun der Turm der Wallfahrtskirche „alleine“ übernehmen. Die beiden Silotürme der ehemaligen „Zuckerfabrik“ gibt es seit einigen Tagen nicht mehr.

Genau wie die Kühltürme des Kernkraftwerkes im benachbarten Philippsburg sind sie dem Erdboden gleichgemacht worden. Allerdings wurden die Silotürme in Waghäusel nicht gesprengt, sondern „abgebrochen und abgetragen“, nachdem eine sieben Tonnen schwere Abriss-Kugel bei ihnen „anklopfte“. Mit entsprechenden Folgen, eine Spezialfirma hatte einen detaillierten Plan dazu erarbeitet und realisiert.

Das letzte sichtbare Zeichen der „Zuckerzeit“ in Waghäusel ist damit verschwunden. Viele waren darüber auch enttäuscht, Jahre dauerte auch im Gemeinderat das Ringen um die Zukunft der zwar nicht allzu schönen, aber doch Waghäusel-typischen Türme. Viele Verwendungsmöglichkeiten wurden diskutiert und erörtert. Selbst renommierte Künstler wie etwa Jürgen Goertz hatten Modelle vorgestellt, die eine interessante Symbiose aus Historie und Technik, der altehrwürdigen Eremitage und den sachlichen Silotürmen, verdeutlichten. Aber, wie oftmals in ähnlichen Fällen, interessante (und aufwendige) Lösungsmöglichkeiten gab es, aber eben keine Investoren, sodass man schließlich den Abriss beschloss.

Rasanter Aufschwung

Blenden wir kurz zurück in die „Zuckergeschichte“ von Waghäusel. Im Jahre 1837 kaufte die neu gegründete „Badische Gesellschaft für Zuckerfabrikation“ die Schlossanlage mit etwa 13 Hektar Gelände, nachdem das recht junge Verfahren zur Zuckergewinnung eingesetzt werden durfte. Daraus entstand bald das größte Industrieunternehmen im Großherzogtum Baden, der direkte Bahnanschluss im Jahre 1870 beflügelte den Aufschwung noch mehr und in späteren Blütezeiten waren etwa tausend Mitarbeiter im Dienste der Zuckergewinnung.

Die beiden Silotürme, die jetzt verschwunden sind, wurden im Rahmen einer Kapazitätserweiterung im Jahre 1970 fertiggestellt. Die beiden Silos, die knapp über 50 Meter hoch waren und einen Durchmesser von etwa 35 Meter hatten, beherbergten jeweils im Innern noch ein zweites Silo mit gut 20 Metern Durchmesser. Bis zum Jahre 2004 wurde hier Zucker gelagert, die Produktion wurde bereits zum Ende des Jahres 1995 durch die Südzucker AG eingestellt. Nach langen und wie es damals hieß „zähen“ Verhandlungen, kaufte die Stadt Waghäusel im Jahr 1997 das 41 Hektar große Areal mit allen Gebäuden, zu denen neben der Eremitage die Silotürme gehörten, zum Preis von einer D-Mark.

Allerdings übernahm sie damit auch alle Altlasten und die Kosten für anstehende Sanierungen. Der Abriss der Silotürme durch die Spezialfirma wird beispielsweise etwa auf 1,2 Millionen Euro kommen. Der Stadt Waghäusel sind dabei aber auch Fördergelder zugesagt. ba

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