Altlußheim

Markus-Schule Besuch im Seehaus Leonberg / Jugendstrafvollzug in freien Formen kennenlernen

In Kontakt mit Kriminellen

Archivartikel

Altlußheim.„Es war beeindruckend, wie freundlich die inhaftierten Jugendlichen waren und wie gut sie ihre Arbeitsbereiche vorgestellt haben. Ich war vorher schon sehr kritisch, ob so ein Projekt überhaupt was bringt.“ So äußerten sich die meisten Schüler des beruflichen Gymnasiums der Markus-Schule sich nach dem Besuch bei den „harten Jungs“ im Seehaus sehr positiv, heißt es in einer Pressemitteilung.

Viele Schüler hatten an diesem Tag in den meisten Fällen zum ersten Mal Kontakt mit kriminellen Jugendlichen. Während eines Vortrags, den ein straffälliger junger Mann mit seinem Hausvater durchführte, erhielten sie vielseitige Informationen über das Leben und Arbeiten in der Hafteinrichtung, die ohne Gitter und Schließanlagen auskommt und ihren Fokus auf die soziale Kontrolle und die positive Gruppenkultur legt. Die Gefangenen können in verschiedenen Ausbildungsberufen arbeiten und ihr erstes Lehrjahr absolvieren. Untergebracht sind sie in drei Wohngemeinschaften, zu denen jeweils eine Familie gehört.

Stufensystem für Privilegien

Da die Jugendlichen häufig aus schwierigen Familienverhältnissen stammen, haben sie dort die Chance, am Modell dieser Familie zu lernen. Die jungen Männer sollen sich zudem gegenseitig weiterbringen, aufeinander achten und sowohl positive als auch negative Kritik äußern. Respekt und Achtung werden im Seehaus, das seine Werte auf den christlichen Glauben und die Nächstenliebe legt, großgeschrieben. Allerdings ist die Haftzeit hier trotzdem kein „Leben auf dem Ponyhof“, auch wenn das alte Fachwerkgebäude vor zirka 400 Jahren das Jagdhaus mit vielen Pferden von Adligen war. Die Häftlinge haben einen straffen Tagesablauf und ein sehr anspruchsvolles Bewertungssystem. Wenn sie ein positives Verhalten zeigen und sich anstrengen, können sie sich im Stufensystem der Einrichtung Privilegien erarbeiten.

Nach viel Input konnten die Gymnasiasten noch die verschiedenen Betriebe wie die Schreinerei, die Metallwerkstatt und die Baubetriebshalle besichtigen, in denen die Seehäusler fleißig am Arbeiten waren. Der junge Inhaftierte, der die Besucher führte, sagte: „Ich will mein Leben ändern und etwas erreichen. Dabei hilft mir das Seehaus. Ich werde bald entlassen, habe eine Ausbildungsstelle und eine Wohnung.“ Er habe schon oft überlegt wegzulaufen, aber genau dieser Wunsch habe ihn davon abgehalten. Aber auch wenn das Seehaus freier ist als der Jugendstrafvollzug in Adelsheim, sind die Grenzen unsichtbar da und er freue sich sehr darauf, wieder in Freiheit zu sein.

Mit vielen Eindrücken fuhren alle drei Oberstufenklassen anschließend wieder mit dem Bus gen Altlußheim. Manche konnten bestehende Vorurteile zurücklassen und Menschen, die straffällig geworden sind, mit einer anderen Sichtweise begegnen.

Feier der Schule am Samstag

Die Markus-Schule ist eine christliche Privatschule und bietet neben einer Realschule die Möglichkeit, am sozialwissenschaftlichen Gymnasium in drei Jahren nach der Mittleren Reife Abitur zu machen. Es gibt noch freie Plätze für das kommende Schuljahr. Nähere Informationen unter www.markus-schule.de oder am Infostand beim Sommerfest am Samstag, 29. Juni, von 11 bis 16 Uhr. Der Freundeskreis kümmert sich um das leibliche Wohl der Besucher. zg

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