Altlußheim

Vollsperrung Anwohnerin der Bertha-von-Suttner-Straße fordert Freigabe eines Fußweges für Autos / Verwaltung weist auf bereits bestehende Straßenschäden hin

Nicht alle wollen diesen Umweg gehen

Archivartikel

Altlußheim.Eine Anwohnerin der Bertha-von-Suttner-Straße fühlt sich veräppelt – und zwar von der Gemeindeverwaltung. So schildert sie es im Gespräch mit unserer Zeitung. Ihren Namen möchte sie aber lieber nicht in der Zeitung lesen. Die Frau muss morgens zur Arbeit nach Hockenheim. Logischerweise nimmt sie den kürzesten Weg zur B 39: über die Hockenheimer Straße. Sie fährt aus der verkehrsberuhigten Zone, in der sie wohnt, heraus und ist nach etwa 650 Metern auf der Verkehrsader Richtung Nachbarort. Momentan geht das aber nicht so einfach.

In ihrer Straße wird gebaut und ein Kran versperrt die Fahrbahn. Um aus der vorübergehenden Sackgasse zu entkommen, muss die Anwohnerin nun in entgegengesetzter Richtung fahren und einen Umweg nehmen. Auf der etwa einen Kilometer langen Route passiert sie gleich zwei schikanenartige verkehrsberuhigte Zonen. „Der Umweg ist dadurch nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern enthält auch mehr Gefahrenquellen für Kinder“, sagt sie. Gut, Baustellen gehören nun mal zum Leben und Umwege müssen wir alle mal nehmen – was ist also das Problem?

Ein Fußgängerweg, der ihre morgendliche Fahrt zur Arbeit beinahe ohne zusätzliche Meter ermöglichen würde. Dieser ist nämlich nicht für Autos freigegeben und beidseitig mit rot-weiß-gestreiften Pollern gesperrt. „Wir haben vor etwa zwei Jahren in der Bertha-von-Suttner-Straße gebaut“, berichtet sie, „damals war der Weg noch von allen befahrbar.“ Und dieser Umstand wurde von den täglich verkehrenden Lastwagen und Fahrzeugen der Bauunternehmen nur zu gerne genutzt, berichtet sie. Seit gut einem Jahr sei der Durchgang nun abgesperrt.

Wasser sprengt die Steine

Ob man ihn nicht wenigstens für die Dauer der Baustelle öffnen könne, wollte die Frau von der Gemeinde wissen. Immerhin soll wegen des Krans ihre normale Route noch für die nächsten drei bis vier Monate gesperrt bleiben, so habe man ihr aus dem Hockenheimer Rathaus mitgeteilt. Dort sitzt die Straßenverkehrsbehörde der Verwaltungsgemeinschaft. Die Gemeinde Altlußheim erklärt in einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, dass der Weg nicht für den Straßenverkehr freigegeben werden kann. Er sei dafür nicht ausgelegt und in der Vergangenheit bereits beschädigt worden. Für die aufgebrachte Anwohnerin ist diese Erklärung nicht befriedigend. Sie sei den Weg abgelaufen und habe keine Schäden entdeckt, erklärt sie unserer Zeitung.

Bauamtsleiter Hubertus Zahn erläuterte auf Anfrage, auf was sie hätte achten müssen: „Das Pflaster ist an mehreren Stellen ,verdrückt’, wie man so schön sagt. Dadurch sind Fugen verschoben worden, Wasser kann sich stauen, und wenn der Winter kommt, tut er sein Übriges.“ Zahn meint damit, dass das sich ausdehnende gefrierende Wasser die Pflastersteine aufsprengen kann. Und nicht nur die Folgeschäden für die Pflastersteine seien zu beachten, erklärt er, immerhin müsse so ein Fußweg ja auch mit Rollator gefahrlos passierbar sein.

Warum diese Schäden entstanden sind, erklärt Zahn ebenfalls: „Eine Straße für Kraftfahrzeuge hat einen Unterbau von gut 30 Zentimetern Schotter. Darauf kommen noch zwei Lagen Asphalt, die Fahrbahn ist am Ende etwa 50 bis 55 Zentimeter dick.“ Ein Fußweg – und als dieser ist der kurze Durchgang auch im Bebauungsplan ausgewiesen und entsprechend angelegt – sei ganz anders aufgebaut. Hier liegen die Pflastersteine lediglich auf einem Unterbau aus Schotter. Die Höhe liege bei maximal 30 Zentimetern.

Bauamtsleiter Zahn erinnert sich auch daran, dass der Weg von Baumaschinen benutzt werden durfte. Dies habe sich aber im Nachhinein als Fehler herausgestellt, weil die schweren Fahrzeuge den Weg recht bald beschädigt hatten. „Wir wollten’s probieren und es hat eben nicht geklappt“, resümiert Zahn.

Keine Willkür – sondern Fakten

Das Ordnungsamt wollte unsere Frage, warum der Weg nicht geöffnet wird, leider nicht beantworten. Bürgermeister Uwe Grempels erklärte es unserer Zeitung jedoch auf weitere Anfrage. Er wiederholte die Sorgen des Bauamtes, das der Weg durch Belastungen, für die er nicht ausgelegt ist, beschädigt werde. Im Abwägen des Für und Wider habe sich die Verwaltung auch an das Hockenheimer Ordnungsamt gewandt. Dort habe man zusätzlich auf Gefahren für Fußgänger hingewiesen, die den Weg benutzen. „Es ist keine Willkür, die wir hier anwenden, um die Anwohner zu gängeln“, betonte Bürgermeister Grempels, „wir wiegen lediglich Fakten ab.“

Dennoch fühlt sich die Anwohnerin gegängelt. Sie will Beweise sehen. Ehe man ihr keine offiziellen Dokumente vorlege, glaube sie nichts von der Erklärungen der Gemeinde. Warum der Weg nicht frei ist, bleibt für sie ein Rätsel.

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