Altlußheim

Zweckverband Wasserversorgung Südkreis Mannheim Jahresrechnung weist einen gesunkenen Verbrauch aus / Kostenumlage steigt um acht Prozent

Nun wird in die Versorgungssicherheit investiert

Archivartikel

Verwaltungsgemeinschaft.Der Zweckverband „Wasserversorgung Südkreis Mannheim“ stellte bei seiner Verbandsversammlung im Altlußheimer Bürgersaal mit seiner Entscheidung für eine zweite Brunnenförderleitung nicht nur die Weichen für die Zukunft, er befasste sich auch ein Stück weit mit der näheren Vergangenheit, indem er die Jahresrechnung 2019 zur Kenntnis nahm und feststelle.

Verbandsrechner Volker Müller aus dem Reilinger Rathaus stellte der Versammlung den Jahresabschluss 2019 vor, bei dem satzungsgemäß weder ein Gewinn noch ein Verlust ausgewiesen werden darf. Demnach beträgt die Bilanzsumme rund 6,6 Millionen Euro, die Erträge und Verluste halten sich mit rund 1,28 Millionen Euro die Waage.

Deutlich unter Maximalmenge

Entscheidend für die Betriebskostenumlage ist der Wasserverbrauch. Die jährlichen Aufwendungen der Erfolgsrechnung, im vergangenen Jahr von 1,28 Millionen Euro werden abzüglich sonstiger Einnahmen in Bezug zur Wassermenge gesetzt, die von den vier Mitgliedskommunen – Hockenheim, Altlußheim, Neulußheim und Reilingen, im vergangenen Jahr bezogen wurde.

Im vergangenen Jahr wurden im Reilinger Werk rund 2,6 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, hinzu kamen rund 27 000 Kubikmeter für den Eigenverbrauch. Bei einer vom Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises zugestandenen jährlichen Grundwasserförderung von 3,5 Millionen Kubikmetern sei man noch deutlich im grünen Bereich, so Müller, der jedoch warnend hinzufügte, dass die bisherige Höchstentnahmemenge von 2,5 Millionen Kubikmetern aus dem Jahr 1991 nunmehr zum dritten Mal in Folge übertroffen wurde.

Von den 2,6 Millionen Kubikmetern Wasser entfielen 1,4 Millionen Kubikmeter auf Hockenheim, 55,5 Prozent, 360 600 Kubikmeter auf Altlußheim, 14 Prozent, 331 000 Kubikmeter auf Neulußheim, 13 Prozent, und 445 000 Kubikmeter auf Reilingen, 17,4 Prozent. Mit anderen Worten – Hockenheim trägt mit 700 000 Euro den Löwenanteil der Umlage, Altlußheim, 178 000 Euro, Neulußheim, 163 000 Euro, und Reilingen, 220 000 tragen die restlichen Anteile.

Gegenüber dem Vorjahr, so Müller, habe sich die Umlage um etwas über 90 000 Euro erhöht. Mit anderen Worten, trotz einer um rund 1,5 Prozent verminderten Fördermenge hat sich die Kostenumlage um acht Prozent erhöht. Müller macht dafür in erster Linie gestiegene Kosten vom Energie-, Wasser- und Wärmebezug verantwortlich sowie Erhöhung bei den Löhnen und Gehältern sowie den Abschreibungen. Bei den sonstigen Einnahmen seien im gleichen Zeitraum gut 24 500 Euro für die Einspeisevergütung der Photovoltaikanlage verbucht worden.

„Nun sind wir wieder auf dem Laufenden“, kommentierte Verbandsvorsitzender Gunther Hoffmann das Zahlenwerk. Wie der Neulußheimer Bürgermeister noch anmerkte, wurde im vergangenen Jahr ein KfW-Darlehen um zehn Jahre verlängert – die Zinsen seien kaum nachweisbar.

Auf diesem Zahlenwerk aufbauend kann sich der Verband den kommenden Aufgaben widmen, die allesamt unter der Überschrift Verbesserung der Versorgungssicherheit stehen. Neben der Frage der Speicherkapazität im Reilinger Wasserwerk, die mittelfristig angegangen werden soll, steht dabei der Bau einer zweiten Brunnenleitung an erster Stelle der Prioritätenliste (wir berichteten).

Momentan führt vom Brunnengebiet eine Leitung ins Wasserwerk – sollte diese einen Defekt haben, repariert oder ausgetauscht werden müssen, wäre die Wasserversorgung unterbrochen. Aus diesem Grund soll eine zweite Brunnenleitung für mehr Sicherheit sorgen. Planer Ingenieur Erich Schulz rechnet hierfür mit Kosten von rund zwei Millionen Euro.

Eine andere Möglichkeit für mehr Versorgungssicherheit zu sorgen, wäre der Zusammenschluss mit anderen Wasserversorgungsverbänden, die sich somit im Ernstfall gegenseitig aushelfen könnten. Infrage hierfür kämen verschiedene Verbände, von den Stadtwerken Wiesloch über die Hardtgruppe, das Wasserwerk St. Leon-Rot bis hin zu den Wasserwerken Waghäusel oder Schwetzingen.

Vernetzung nicht empfohlen

Für Schulz schon angesichts der Länge der notwendigen Wasserleitung und der Kosten keine echte Alternative. Die geringste Entfernung besteht zum Wasserwerk St. Leon-Rot, die erforderliche Leitung wäre über sechs Kilometer lang, die Kosten lägen bei rund 4,5 Millionen Euro. Zum Wasserwerk Schwetzingen wären es zehn Kilometer mit Kosten von rund 7,5 Millionen Euro.

Doch es sind weniger die Investitionskosten, die Schulz schrecken, als vielmehr die Unterhaltskosten. Denn, rechnete er vor, bei den genannten Strecken sei auch der Leitungsinhalt zu berücksichtigen, der bei den geplanten Rohren zwischen 430 und 730 Kubikmetern Wasser liegt. Diese Rohre gilt es regelmäßig, drei- bis fünfmal die Woche, durchzuspülen. Wofür bis zu 190 000 Kubikmeter Wasser im Jahr aufgewendet werden müssten. Weshalb Ingenieur Erich Schulz diese Maßnahme dem Zweckverband nicht empfehlen konnte. Zumal, wie Bürgermeister Stefan Weisbrod hinzufügte, das hiesige Wasser von einer anderen Qualität sei – „wir sind in der ersten Liga.“

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional