Altlußheim

Vogelzucht Brieftaube Nummer 99 kann sich jetzt bei der Weltausstellung in Polen beweisen / Andreas und Michael Schmitt kümmern sich um 110 Tiere

Schön und sportlich: Er ist Mr. Germany

Altlußheim.Ein zauberhaftes Federkleid, ein perfekter Ausdruck im Käfig – und dazu auch noch ziemlich sportlich: Die schönste und beste männliche Brieftaube aus dem vergangenen Reisejahr wohnt in Altlußheim.

Vollkommen ruhig sitzt sie in der Hand von Züchter Andreas Schmitt, lässt sich von der Kamera ablichten – und von Andreas durch die Federn streichen. Kälte und sogar Schnee machen diesem Profi überhaupt nichts aus. Verschiedene Grautöne mustern seine Federn. Am Hals hat die Taube eine leicht grüne Schattierung und die Haltung sagt: „Seht mich an.“ Diese Aufmerksamkeit scheint die Brieftaube Nummer 99 gewohnt zu sein. Kein Wunder – für die deutsche Brieftauben-Ausstellung musste sie sich in der vergangenen Saison mit 13 Wettflügen „die Reise“ erst verdienen. „Bei mindestens neun dieser Flüge muss sie zeitlich mit dem ersten Drittel zurückkommen“, erklärt der 34-Jährige, der das Hobby seines Vaters mit seinem Bruder Michael Schmitt fortführt. Gegen etwa 7000 Tauben sei sie da beim regionalen Verband im Wettstreit.

Windstärke macht Unterschied

Also kommt es dabei auch auf die Zeit an. 4800 Kilometer habe die Taube dabei insgesamt zurückgelegt. Und wie schnell sie während ihres Fluges wird, hänge auch von der Windstärke ab. „Bei Gegenwind schafft sie etwa 70, mit Rückenwind bis zu 120 Kilometer pro Stunde.“

Wenn diese Qualifikation geschafft ist, gehe es tatsächlich nur noch um die Schönheit. Knochenbau, Haltung und Gefieder: „Da haben wir aber nicht besonders viel Einfluss drauf“, sagt Andreas Schmitt. Entweder die Taube habe das gewisse Etwas oder eben nicht. „Manche Züchter geben dafür spezielles Futter und ölen die Tauben ein, damit die Federn mehr glänzen“, erzählt Michael Schmitt, „wir haben nichts davon gemacht.“

Trotzdem stecken die beiden, die Mitglieder im Speyerer Brieftaubenverein „Heimatliebe“ sind, eine Menge Zeit und Arbeit in ihr Hobby – die Zucht von momentan 110 Brieftauben. „Bevor die Saison losgeht, werden die Tauben morgens und abends für jeweils eine Stunde frei gelassen. Da beginnt mein Tag dann um etwa 4.50 Uhr. Dann fliegen sie um die Häuser und sammeln so Kondition“, sagt Andreas Schmitt. Mitte Februar bauen die beiden dann wöchentlich die Flugdistanz aus.

Sie fahren mit ihren Vögeln fünf, zehn oder 20 Kilometer weg – und lassen sie dann nach Hause fliegen. Bei einem Wettkampf muss die Brieftaube eine Strecke von mindestens 200 bis maximal 600 Kilometer zurücklegen. Mit einem elektronischen Chip wird dabei die Zeit gemessen. „Wir rechnen uns dann immer aus, wie lange sie etwa braucht und warten dann im Garten“, erklären die Brüder im Gespräch mit unserer Zeitung. Danach gebe es für die sportlichen Tiere Elektrolyte. „Das ist ein bisschen wie bei einem Leistungssportler“, erklären sie. Die Tiere bekommen auch spezielles Futter und werden gepflegt. „Einmal die Woche stellen wir auch eine Wanne hin und sie baden sich“, berichten die Brüder. Besonders im Sommer sei das für die Tauben ein Höhepunkt. „Dann lassen sie sich in der Sonne trocknen“, sagt Andreas Schmitt.

Champion ist vier Jahre alt

Durch ihren Vater sind die Brüder mit Brieftauben aufgewachsen. Seit 1984 gibt es deshalb den Taubenschlag auf dem Grundstück. „Die Arbeit mit den Tieren macht einfach Spaß – und wenn sie dann nach 600 Kilometern wieder heimkommen, ist das einfach toll“, beschreiben die Männer den Grund für ihre Leidenschaft. Vier Jahre ist Nummer 99 bereits alt. „Das war jetzt seine letzte Saison. Das ist wie beim Fußballer, irgendwann werden sie langsamer und dann ist die Wettkampfzeit einfach vorbei“, sagt Michael Schmitt. Von Freitag, 25., bis Sonntag, 27. Januar, kann er sich jetzt noch in Polen bei der Weltausstellung beweisen. „Die Preisrichter sagen, er habe gute Chancen, aber wir lassen uns einfach überraschen“, sagen die Brüder übereinstimmend.

Für die vier Jahre alte Brieftaube wäre das allerdings der glorreiche Abschluss des erfolgreichen Leistungsweges. Die Sonne kann er im kommenden Sommer jedenfalls ganz in Ruhe genießen.

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