Altlußheim

Nähstubb 59-Jährige näht Mund-Nase-Masken in Zeiten der Corona-Pandemie / Erste Überweisung für den guten Zweck ist schon gemacht / Kostenloser Hol- und Bringservice – gerade für ältere Bürger

Ute Auer spendet einen Teilerlös an die Sterntaler

Archivartikel

Altlußheim.Die weiße Nähmaschine steht auf dem Tisch von Ute Auer. Die Stoffe liegen in verschiedenen Farben daneben – jederzeit griffbereit, um sich die Materialien zu nehmen und die nächste Maske zu nähen. Denn während der Corona-Pandemie hat sie sich dazu entschieden, den Menschen mit diesem Produkt zu helfen – es gibt Modelle für Erwachsene und Kinder.

Durch die Masken, die während der Corona-Pandemie immer essentieller wurden, stieg auch bei Auer die Nachfrage nach diesem Produkt. Da war ihr klar, wenn sie das macht, geht ein Teil des Erlöses an die Sterntaler. Über 100 Masken hat die fleißige Näherin bislang genäht und verkauft. Die Entscheidung, die Sterntaler zu unterstützen, fiel durch persönliche Kontakte. Denn Freunde der 59-Jährigen machen für die Sterntaler immer eine Biker-Sternfahrt in die Pfalz. „Ich finde, man sollte auch die eigenen Sachen in Deutschland unterstützen“, betont Auer, dass ihr auch die Nähe zu solchen Initiativen und Organisationen am Herzen liege. „Ich habe auch von einigen Leute extra noch Geldspenden bekommen“, freut sich die 59-Jährige über diese Unterstützung. Die erste Überweisung hat sie bereits getätigt – die Sammelbüchse füllt sich und eine zweite wird bald folgen.

Dass ihr Regionalität wichtig ist, zeigt sich auch beim Kauf der Stoffe für die Masken – sie findet diese in Stoffgeschäften der Region, wie zum Beispiel in Speyer oder Schwetzingen. „Ich versuche, nicht im Internet zu bestellen, sondern so weit wie möglich, in der Gegend zu kaufen“, liegt es ihr am Herzen, regional zu kaufen. Auch in Mannheim und Heidelberg schaut sich die 59-Jährige um, wenn sie dort unterwegs ist.

Ohren schonen

Für ihre Kunden bietet Ute Auer auch ein spezielles Modell von Masken an. Mit einer Querspange für den Hinterkopf, einem so genannten „Ear-saver“ (deutsch: „Ohrenschoner“) werden die Gummis nach hinten gezogen und an den seitlich angebrachten Knöpfen der Spange fixiert. Dadurch werde wunden Stellen hinter den Ohren vorgebeugt, die durch tägliches und stundenlanges Tragen, entstehen können. „Außerdem ist es gerade dann sehr praktisch, wenn man eine Brille trägt, weil die Gummis nach hinten gezogen werden“, erklärt Auer den Vorteil, den sie darin sieht.

Seit ein paar Jahren betreibt die Altlußheimerin die „Nähstubb“ in der Heidelberger Straße 38. Einen Laden angemietet hat sie nicht – sie macht alles daheim, in den eigenen vier Wänden, „aber angemeldet habe ich es natürlich“ – denn es müsse ja alles seine Richtigkeit haben. Nachdem bei ihr in der Firma auf Call-Center umgestellt wurde, wollte sie das nicht mehr machen. Da sie aber schon immer näht und aus einem Haushalt kommt, in dem immer viel genäht und vieles auch selbst gemacht wurde, lag die Idee einer eigenen kleinen Stube nicht fern. „Für meine eigenen Kinder habe ich Kleider genäht, dann kamen auch Bekannte vorbei und fragten, ob ich ihnen mal einen Reißverschluss einnähen kann“, spricht sie über ihre Leidenschaft.

Auf Öffnungszeiten hat die 59-Jährige bewusst verzichtet. Sie ist für die Kunden auf Anfrage da und kümmert sich um deren Wünsche und Anregungen. Einfach vorbeikommen oder anrufen, ist ihre Devise. „Als ich angefangen habe, sind die Kinder noch in die Schule gegangen, da musste ich einfach mal da sein und da war das so dann einfacher“, sagt Auer im Gespräch mit dieser Zeitung, dass sie die Aufgaben dann erledigen konnte, wenn es ihre Zeit zugelassen hat. Jetzt, wo die Kinder zum Studieren und Arbeiten aus dem Haus sind, widmet sie sich wieder vermehrt ihrem Hobby und fühlt sich dabei auch nicht so einsam. „Die Kinder brauchen einen jetzt nicht mehr, und so habe ich eine gute Ablenkung“, sagt sie und lacht.

Wegschmeißen muss nicht sein

Um alles, was an Änderungsschneiderei anfällt, kümmert sich Ute Auer – sie kürzt Hosen, flickt Kindersachen und näht Reißverschlüsse ein. „Bei allem, wo es sich rentiert, mache ich das. So muss auch nichts weggeschmissen werden“, betont Auer den Punkt der Nachhaltigkeit.

Auch mit dem Preis seien ihre Kunden zufrieden und sagen ihre das auch. „Ich mache das nicht, um viel Geld zu verdienen. Ich mache es, weil es mein Hobby ist. Es soll bisschen was bei rumkommen, aber nicht so, dass ich davon leben muss. Es ist schon gut, dass ich das so machen kann“, so Auer. Außerdem bietet sie auch einen kostenlosen Hol- und Bringservice an, der sich gerade für ältere Menschen anbietet. Auch Hemden bügelt sie – die Arbeit macht ihr einfach Spaß.

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