Altlußheim

Geschäftsleben Architektin Franziska Blaschke steigt in den Familienbetrieb mit ein

Vierte Generation Baumeister

Archivartikel

Altlußheim.Das Architekturbüro Blaschke, 1953 gegründet, besteht nunmehr fast 70 Jahre – schon dies ist eine beachtliche Leistung, doch noch interessanter wird es, bedenkt man, dass es in vierter Generation geführt wird. Denn die Wurzeln des Büros reichen bis in die späten 1940er Jahre und sind mit dem Namen von Alfred Weise verbunden, dessen Enkel Volkmar Blaschke der aktuelle Inhaber ist und mit dessen Tochter Franziska Blaschke nun die vierte Generation in dem Büro Einzug hält.

Alfred Weise kam nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Flüchtling nach Altlußheim und setzte hier seine vorher in Schlesien ausgeübte Tätigkeit als Baumeister und Architekt fort. Besonders widmete er sich der Unterbringung von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und Ungarn. Frühzeitig verhandelte er mit der provisorischen Kreisverwaltung des ehemaligen Kreises Mannheim und dem Regierungspräsidium Karlsruhe über die Erarbeitung eines Konzeptes für den Bau von Siedlungshäusern, die preisgünstig und für ein Höchstmaß von Eigenarbeit geeignet waren. Alfred Weise brachte seine Erfahrung aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg mit ein.

Siedlungshäuser errichtet

Das erarbeitete Konzept wurde in einigen Ortschaften des Kreises Mannheim umgesetzt. Ab 1949 organisierte Weise von Altlußheim aus den Bau von Siedlungshäusern als eineinhalbgeschossige Doppelhäuser von der Südgrenze bis zur Nordgrenze des ehemaligen Landkreises Mannheim. Zu dieser Zeit war es noch sehr beschwerlich ein Auto mit Fahrer zu finden, mit dem die Bauüberwachung bis nach Hemsbach und Laudenbach ermöglicht wurde.

Bei der Erstellung der Finanzierung der Siedlungshäuser war bereits die Tochter von Alfred Weise, Margot Blaschke, maßgeblich beteiligt. So war es möglich, dass sie nach dem plötzlichen Tod von Alfred Weise 1953 die Arbeit ihres Vaters fortführen konnte.

Ihr Ehemann Friedrich Blaschke, Kunstmaler und Kirchenrestaurateur, erwarb durch frühzeitige Mitarbeit bei den Planungen seines Schwiegervaters und durch Fortbildungsmaßnahmen die Eintragung in die Architektenliste als Freier Architekt, die eigentliche Geburtsstunde des Büros.

Das von Alfred Weise begonnene Werk konnte somit fortgeführt werden. Die Erfahrungen aus der Zeit der ersten Siedlungshäuser wurden bei den Häusern für die deutschen Umsiedler aus den Balkanstaaten Ende der 1950er und 1960er Jahre mit eingebracht. Friedrich Blaschke starb 1960. Margot Blaschke führte das Büro mit freien Mitarbeitern weiter. Aufgrund ihrer Erfahrung bei der Finanzierung der Siedlungshäuser wurde sie Anlaufadresse für Bauherren, die bei der Baufinanzierung auf staatliche „Lakra“-Mittel angewiesen waren.

Tätigkeitsfeld ausgeweitet

Ihr Sohn Volkmar Blaschke begann seinen beruflichen Werdegang 1960 mit der Ausbildung zum Baufacharbeiter und setzte sie 1962 mit einem Ingenieurstudium fort. 1967 übernahm er als junger Bauingenieur das Bauplanungsbüro der Mutter. Seit der Eintragung in die Architektenliste im Jahr 1971 führte er das Büro als Freier Architekt weiter.

Das Tätigkeitsfeld wurde ausgedehnt vom Wohnungsbau auf ein vielfältiges Angebot von Architektenleistungen wie Bauleitplanung, kommunaler Hoch- und Tiefbau, Sportbauten, denkmalpflegerische Maßnahmen und Sanierungen von kommunalen und kirchlichen Bauten, landwirtschaftliches Bauen, Gewerbe- und Industriebau in der Region – in einem Fall bis Zanesville in Ohio – Bauten für Fitness und Wellness sowie für das Beherbergungsgewerbe. Nach der „Wende“ wurde mitgewirkt bei der Planung und dem Bau von Wohnungen und Behelfswohnungen für Aussiedler und Umsiedler in der Kurpfalz, aber auch in Erfurt und Leipzig.

Seit Oktober 2018 hat Tochter Franziska Blaschke ihr Architekturstudium abgeschlossen. Sie, die Vertreterin der vierten Generation, war bereits während des Studiums als Praktikantin im Büro des Vaters tätig.

Seit Beendigung des Masterstudiums war sie als Architektin im Praktikum und dann als eingetragene Architektin in einem Mannheimer Büro angestellt. Sie wird nun, in vierter Generation, in den Familienbetrieb mit einsteigen. sz

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