Altlußheim

Atelierbesuch Die Künstlerin Traudel Hagmann hat ihre Enttäuschung und Wut über die vom Virus erzeugte Leere schöpferisch verarbeitet / Neue Ausstellungen und Projekte sind in Arbeit

Virus erhält künstlerisch den Todesstoß

Archivartikel

Altlußheim.„Eigentlich“ – dieser Ausdruck ist in dem zu Ende gehenden Jahr zu einem „negativen Zauberwort“ geworden. Und eigentlich hätte zum Ende des Jahres in Schwetzingen bei der „artSchwetzingen“ der Künstlerinitiative KIS eine interessante Ausstellung stattgefunden, bei der auch Traudel Hagmann aus Altlußheim teilgenommen hätte.

Die Exponate, die Traudel Hagmann ausstellen wollte, blieben in Altlußheim, werden teilweise weiter bearbeitet, Neues entsteht, wenn wieder möglich, sollen sie dann auch hier einzelnen interessierten Besuchern gezeigt werden.

Traudel Hagmann, einer alten Altlußheimer Familie entstammend, studierte nach ihrem Abitur an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main. Dort ließ sie sich als Diplom-Designerin auch nieder und arbeitete viele Jahre erfolgreich in ihrem eigenen Design-Büro. Ihr „Einstieg in künstlerische Ebenen“ verlief eher gleitend. Sie arbeitete an Schulprojekten mit und war verantwortlich für verschiedene Schülerprojekte, sie hatte die künstlerische Leitung von Fortbildungsmaßnahmen des Hessischen Bildungsministeriums und konnte sich mit den Schülern über Auszeichnungen und Preise freuen.

Dabei hatte sie selbst auch ihre künstlerische Vorliebe für den Werkstoff Ton gefunden, sie war fasziniert, welche Möglichkeiten dieses Material bietet, ihre Fantasie war geweckt und sie ließ ihrer künstlerischen Fantasie freien Lauf. Im Jahre 2006 nahm sie mit ihren Exponaten an der internationalen Keramik-Biennale in Mallorca teil und konnte die Jury beeindrucken und überzeugen, schließlich erreichte sie in dem internationalen Teilnehmerfeld einen beeindruckenden zweiten Platz.

Auszeichnung als Ansporn

Natürlich war dies Ansporn nach noch intensiverer Beschäftigung mit dem Werkstoff Ton. Bei der Entstehung ihrer Kokons beispielsweise wird die Tonmasse von innen nach außen gedrückt. Dies ist erstens anstrengend und zweitens muss es recht schnell gehen, denn das Material kann nur bearbeitet werden, solange es feucht ist. Während der Ton von innen bearbeitet wird, ist Traudel Hagmann selbst gespannt, wie er sich außen verändert, das bedeutet schließlich auch, dass jedes Kunstwerk ein absolutes Unikat darstellt.

Der Malerei zugewandt

Längst hat sich das künstlerische Spektrum der Altlußheimerin ganz wesentlich erweitert. Die grundverschiedenen Bilder beispielsweise, oft in Aquarell, mit Kohlestift und Graphit, zeugen vom Ideenreichtum und der künstlerischen Kompetenz von Traudel Hagmann. Die Bilder spiegeln Lebendigkeit wider, aber keine Idylle. Abstrakte Bilder finden sich ebenso wie etwa Häuser, aber diese sind durcheinandergewirbelt, dies gibt den Werken Leben und Aufmerksamkeit, es sind keine „statischen Gemälde“, sie sind spannungsgeladen und das macht ihren ganz individuellen Reiz.

Als sie sich krankheitsbedingt eine Zeit lang weniger mit der körperlich anstrengenden Tonarbeit beschäftigen konnte, realisierte sie viele ihrer Ideen in interessanten Installationen, wobei das Thema „Flucht, Flüchtling, Heimat“ sie beschäftigte. Ein großes Zelt beispielsweise verspricht Obdach, der zugemauerte Eingang dazu wirft aber viele Fragen auf.

Seit einigen Jahren lebt Traudel Hagmann jetzt wieder in ihrer Heimatgemeinde am Rheinbogen in einem traditionsreichen Haus ihrer Familie, das Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Pläne und Ideen, Vorhaben und Ziele gehen ihr nicht aus. So arbeitet sie auf eine internationale Keramik-Biennale im März kommenden Jahres hin, die in Portugal stattfinden wird und für die sie sich bewerben wird.

„I will survive“ – „Ich will überleben“, das war vor einiger Zeit das Thema einer großen Installation von Traudel Hagmann, wobei sie die Kraft der Natur als ein positives Signal deutlich machte. Aktualität ist ebenso stets ein Augenmerk der Altlußheimerin. Dies verdeutlicht auch ihre Werk „Overcome Corona“. Sie konnte sich dabei an einem bereits unter dem Titel „Vom Meeresgrund“ begonnenen Projekt orientieren, von dem einige Teile in die neue Installation eingebaut werden konnten.

Kronenobjekte entstehen

Das war der Ausgangspunkt für weitere Kronenobjekte und um nicht Corona gewissermaßen ein Denkmal zu setzen, lässt sie weiße Blüten aus der Krone sprießen, um eine poetische Note hinzuzufügen und das ungeliebte Thema mitsamt der Wut und Verzweiflung möglichst zu überwinden und zu besiegen. Daher auch der Titel dazu: „Overcome Corona“. Kunst kann also manchmal etwas mehr.

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