Altlußheim

Reisegewerbe Elisabeth und Robert Prison möchten gerne Dekofiguren anbieten / Dreifache Genehmigung gefordert

Zelt am Knotenpunkt bleibt zu

Altlußheim/Hockenheim.Das kann schon hart sein für ein Schaf: Tagelang nur von einer durchsichtigen Zeltbahn von einer saftig-grünen Wiese getrennt zu sein, aber nicht raus zu dürfen. Gut, dass die Schafe von Elisabeth und Robert Prison aus Kunststoff sind. Die Enttäuschung über den fehlenden "Freigang" ist dafür bei ihren Besitzern umso größer. Sie wollen auf dem Grünstreifen gegenüber der Einfahrt zum Lußhof an der Ampelkreuzung der B 39 und der L 722 seit Anfang dieser Woche Deko-Figuren verkaufen und ihre Dienstleistungen als Korb- und Stuhlflechter anbieten. Doch dafür fehlen ihnen die erforderlichen Genehmigungen.

Das teilte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung Hockenheim der Familie mit und bat sie, das Gelände zu räumen. Insbesondere die straßen- oder verkehrsrechtliche Genehmigung, für die die Stadt zuständig ist, könne an dieser Stelle nicht erteilt werden, die im Außenbereich liege und einen Unfallschwerpunkt darstelle, habe der Bedienstete erklärt. Die Verkehrsteilnehmer sollen wohl durch den auffälligen Stand nicht abgelenkt werden.

Ehepaar verweist auf Bushaltestelle

Elisabeth und Robert Prison aus Mönchengladbach, in vierter Generation als Korb- und Stuhlflechter unterwegs, können das Argument nicht nachvollziehen, sagen sie im Gespräch mit unserer Zeitung. "Dann dürfte es hier ja auch keine Bushaltestelle geben", erklären sie. Außerdem gelte eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 beziehungsweise 70 Stundenkilometer, und es seien zwei Ausfahrten vom Gelände vorhanden.

Die Unfallgefahr sei überschaubar, findet das Ehepaar, dem das Gelände vom Pächter, der Familie Merz vom Lußhof, überlassen wurde. "Wir müssen auf solchen Plätzen stehen, wir müssen ja gesehen werden", sagt Elisabeth Prison. Die Autos könnten wegen der Ampel hier nicht schnell fahren. "Wir suchen keine Unfallschwerpunkte als Standorte aus, das wäre für uns und unsere Kunden zu gefährlich", erklärt sie. "Wir machen das nicht zum ersten Mal, wir sind mit diesem Geschäft großgeworden."

Eine Standort-Alternative haben die Prisons derzeit nicht: "Wir wollten hier vier oder fünf Wochen bleiben, weil alles gestimmt hat, von der Lage bis zu den Parkmöglichkeiten", sagen sie. Die Familie wäre bereit, umzuziehen, wenn sie ein anderes geeignetes Gelände fände. "Wir haben schon rumgefragt, es gibt genügend Plätze, auch in Hockenheim, aber nirgends bekommen wir eine Erlaubnis zum Verkaufen."

Reisegewerbekarte ist vorhanden

In Gießen, ihrer letzten Station, habe sich die Stadt überhaupt nicht für ihren Stand interessiert, sagt Robert Prison. Eine Reisegewerbekarte habe er, das sei nicht das Problem. Für ihn und seine Frau ist die Haltung der Stadt Hockenheim "reine Schikane."

Das sieht die Stadt anders, teilt Pressesprecher Christian Stalf mit: Unabhängig davon, wer den Antrag stelle, gelte für den Betrieb eines Stands an diesem Standort, dass eine dreifache Genehmigung einzuholen sei: baurechtlich bei der Stadt, gewerberechtlich bei der Gemeinde Altlußheim und straßen- oder verkehrsrechtlich bei der Stadt.

Eigentümer des Grundstücks sei das Land Baden-Württemberg, das zunächst die baurechtliche Genehmigung des Stands erteilen müsse. Diese liege nicht vor. Schon 2011 hatte die Stadt aus Verkehrssicherheitsgründen einem Gärtner an dieser Stelle untersagt, Blumen zum Selbstschneiden anzubieten.

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