Brühl

Kollerinsel Otto Berthold und Thilo Toelle kümmern sich um Storchenpaar / Von 100 ausgebrüteten Eiern kehren nur 15 Jungtiere zurück

Adebar bekommt sogar ein Podest

Brühl.Dass es ausgerechnet Pfälzer sind, die sich um ein Stück badische Heimat kümmern, mag schon kurios anmuten. Doch die beiden Männer lächeln gerne über alte Dünkel. Gemeinsam für die Zukunft lautet ihre Devise, denn sie gehören dem Verein für „Heimatpflege und Naturschutz Otterstadt“ an. Otto Berthold, Vorsitzender, und Thilo Toelle, der insgeheim von den Otterstädtern längst „Storchenvater“ getauft wurde, sitzen an diesem Frühlingsmorgen vergnügt auf einem alten Baumstamm inmitten einer Magerwiese und können den Blick von ihren Lieblingen kaum abwenden.

In schwindelerregender Höhe über ihren Köpfen spreizt Herr Adebar gerade sein Gefieder. Oder ist es seine Gefährtin, Frau Adebar? „Doch, doch, es ist das Männchen“, betont Thilo Toelle. Jeden Tag ist er bei den Störchen auf der Kollerinsel. Das Nest für die schwarz-weiß gefiederten Vögel mit dem Namen „Ciconia ciconia“ mit einer Standhöhe von einem und einer Spannweite von zwei Metern hat er selbst gebaut. Nun gut, zumindest das Grundgerüst. Alte Strommasten mussten herhalten. Die waren übrig, als der alte Kollerhof abgebaut wurde. Es dauerte, bis ein Storchenpaar das Ganze annehmen wollte. Also bauten sie noch eine Voliere und erhielten ohnehin kasernierte Jungvögel von der „Aktion Pfalzstorch“ – einer Pflege- und Auffangstation in Bornheim, um sie hier auszuwildern. Christian Reis, der dort für die Beringung und Notfälle zuständig ist, hilft den Otterstädtern gerne. Mit Hilfe eines Hubsteigers werden dann die Jungstörche beringt und registriert. „Das ist spannend“, findet Vogelkenner Thilo Toelle, der privat für 80 Kanarienvögel sorgt, „denn die Jungstörche liegen wie erstarrt im Nest.“

Doch zurück zum Beginn, denn bevor es Küken geben kann, muss gebrütet werden. „Das Metallgerüst“, verrät Toelle, „wollten die damals gar nicht haben.“ Stattdessen nisten sie jetzt einen halben Meter darüber in einem höchstpersönlich zusammengesammelten Nest. In die Nachbarschaft zogen dann einfach acht Spatzenpaare ein.

Nester auf vielen Häusern

„DER A5117“, wie Herr Adebar im Fachjargon heißt, lebt hier mit einer waschechten Schweizerin. Die hatte er sich 2013 mit ins Nest auf der Kollerinsel gebracht. Was aus seiner Partnerin geworden ist, mit der er seit 2010 hier wohnte? Die beiden Männer wissen es nicht. „Aber klar ist“, so Otto Berthold, „dass von 100 ausgebrüteten Eiern gerade einmal 15 Jungstörche im nächsten Jahr wieder zurückkehren.“ Welches Schicksal sie ereilt, ist nicht geklärt. Es könnten jedoch fremdländische Speisekarten oder internationale Stromleitungen eine Rolle spielen.

Stolz sind die beiden, dass es gelungen ist, Störche hier wieder anzusiedeln. Früher gehörten die Rotschnäbel zum Naturbild entlang des Rheins, fanden sich von Menschenhand gefertigte Nester auf vielen Häusern. So wie in Otterstadt, die selbst ihren Ortsnamen damit irgendwie erweitern, wo der Verein 1999 auf dem alten Schulhaus ein solches Nest installierte – unterstützt von der Feuerwehr und dem Stromversorger. Denn auch dort gab es lange keine Störche mehr. „Die Leute waren dann immer aufgeregt, wenn sich einer zeigte“, so Berthold, „aber leider blieben sie nicht – bis vor drei Jahren .“ Dennoch zeigte das Interesse , wie sehr gerade dieser Vogel in der Seele und im Leben verwurzelt ist. „Ich werde noch immer angerufen: ,Otto, ich hab fünf Störch auf der Koller gesehen’“, so Berthold, „aber es ruft keiner an und sagt, ich hab 100 Krabben gesehen.“

Hunde an die Leine

Gemeinsam mit vielen Besuchern wie den Kindergartenkindern von Otterstadt, erlebt Thilo Toelle „seine Störch“ so Jahr um Jahr, bei jeder Jahreszeit und jedem Wetter. Täglich bringt er ihnen Futter, denn die Wiesen und Auen rundherum bieten nicht genügend Futter – findet er. Dass sie alle gemeinsam dann noch ein Gerüst gebaut haben, damit der Storch aus rund einem Meter Höhe auf der Wiese herumschauen kann, ob er selbst Futter findet, war für die Storchenväter von Otterstadt fast schon selbstverständlicher Service. „Im hohen Gras kann er den Fuchs nicht sehen“, so Thilo Toelle. Dazu haben sie ein Schild aufgestellt: „Hunde bitte anleinen“. Dass die Tierbesitzer sich nicht daran halten wollen, bekümmert die beiden Männer. „Aber ändern kann man da wohl nichts“, sagen die beiden Rheinland-Pfälzer und sind sich sicher, dass der schönste Augenblick 2018 sicherlich der sein wird, wenn die Jungstörche zum ersten Mal die Köpfe über den Rand des Nestes heben werden – auch die badischen.

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