Brühl

KFD Ortsgruppe der Hufeisengemeinde wird zum Jahresende aufgelöst / Wehmut schwingt beim Rückblick auf Wallfahrten, Ausflüge und Adventsmärkte mit

Arä der „stolzen Dame“ endet nach 119 Jahren

Archivartikel

BRÜHL.Das „Vergelt’s Gott“ geht Gerda Gaisbauer an diesem Tag nicht leicht über die Lippen, die Stimme zittert, als sie sich an ihre Mitstreiterinnen der vergangenen Jahre wendet. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen von einer Frauengemeinschaftsgruppe, die zu den größten in ganz Deutschland zählt und in der katholischen Glaubensgemeinschaft die größte ist: Die katholische Frauengemeinschaft (KFD) Brühl löst sich zum Jahresende auf.

Mit einem gemütlichen Beisammensein, wie es die Damen immer gerne pflegten, wenn sie die ihnen ganz ureigene Motivation mit ihren Taten anderen zu helfen erfüllt hatten, endet nun eine 119 Jahre andauernde Ära. Gegründet wurde die KFD am 17. Juli 1900 als katholischer Mütterverein vom damaligen Pfarrer Rot, der Grundstein für eine lebendige Gemeinschaft war gelegt.

Insgesamt 190 Mitglieder waren in Brühl dabei, leider fand sich aus der Runde niemand, der Verantwortung und Organisation übernehmen wollte, nachdem Gerda Gaisbauer nicht mehr zur Verfügung gestanden hatte. „Bei der Versammlung im Frühjahr, um den Fortbestand zu klären, meldete sich keine Seele, die weitermachen wollte“, deshalb habe sich auch das übrige Vorstandsteam aus seinen Ämtern verabschiedet, erklärt Gabriele Karoline Heil aus dem Team.

Zurückblicken könne man auf eine tolle Zeit mit Wallfahrten, Ausflügen, den legendären Adventsmärkten oder Gesprächskreisen, der Mithilfe beim Pfarrfest, den Gemeinschaftsmessen und vielem mehr. Im Laufe des Lebens müsse man von vielem Abschied nehmen, unterstrich Gerda Geisbauer, so sei es jetzt soweit, die „etwas müde gewordene, nicht traurige, aber selbstbewusste, stolze Dame KFD-Brühl“ zu verabschieden.

Der Hauch von Unverstandensein hängt ein wenig über der Szene, denn, immer wenn jemand von der Beendigung der KFD-Aktionen hörte, wurde gesagt: „Woher bekomme ich dann meinen Adventskranz“ oder „Aber eure Fasnacht, wo gehe ich da hin“. Schade sei es, auf diese beiden öffentlichkeitswirksamen Jahresaktionen reduziert zu sein – der Glaube, der in der Vereinigung eine große Rolle spiele, werde dabei gern vergessen, wie das soziale Engagement und Miteinander.

Arbeit bringt 40 000 Euro Spenden

Mit dieser Arbeit sind in den letzten Jahren nahezu 40 000 Euro an Spenden für soziale Einrichtungen, überwiegend an Kinder, Jugendliche und Frauen zusammengetragen worden. Besondere Unterstützung erhielt immer Schwester Maria für die Armenküchen. Bevor mit Kaffee und Kuchen sowie kleinen pikanten Häppchen dem Gedankenaustausch Zeit eingeräumt wurde, ergriff Pfarrer und Präses Erwin Bertsch das Wort. Er drückte sein Bedauern aus, dass eine aktive Gruppe des Gemeindelebens nun bald fehlen werde: „Es erfüllt mich mit Schmerz, ist unvorstellbar; ich empfinde auch Dankbarkeit für alles, was zum Wohl der Pfarrgemeinde beigetragen wurde. Nicht zuletzt spüre ich Hoffnung, dass die Zeichen der Zeit erkannt werden, wie es auch schon in der Bibel steht.“

Nicht nur in kirchlichen Gruppierungen gebe es weniger Menschen, die in Verantwortung gehen wollten, es treffe die weltlichen ebenso, stellte Bertsch fest. Der ehemalige Präses Walter Sauer dankte den Frauen in ein paar Zeilen, die Bertsch verlas. Aus dem Frauenbild „Küche, Kinder, Kirche“ hätten sich längst Frauen entwickelt, die Familie, Beruf und Alltag meisterten, einen wertvollen Beitrag leisteten. Er hob den unermüdlichen Einsatz der Brühler KFD hervor, den er in insgesamt 23 Jahren als Präses erleben durfte, wie auch das „vielfältige Mitgestalten der Schutzengelgemeinde.“

Die stellvertretende Dekanatsvorsitzende Tanja Becker-Fröhlich hob hervor: „Es ist schwer, eine viele Jahre andauernde gute Tradition zu beenden“, die Beweggründe könne sie allerdings gut verstehen. Mit einer Tüte voller Schokolade bedachte sie die Frauen, damit sie „neue Energie für neue Aufgaben“ tanken könnten. Viel Applaus begleitete diese offiziellen Szenen. Mit einem pfiffigen Sketch (Maria Herschlein, Gerda Gaisbauer) und später mit einem Gottesdienst in der Schutzengelkirche endete der Nachmittag. zesa

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