Brühl

Förderkreis Dourtenga Stammtisch soll es wieder regelmäßig geben / Dieter Schlupp spendet Verkaufserlös seines Friedenssalzes / Aufklärung zur Familienplanung

Bei schwierigen Geburten fehlen die Möglichkeiten

BRÜHL.„Es ist schon einige Zeit her, dass wir einen Stammtisch zum Austausch gemacht haben“, erklärte Renate Dvorak, Vorsitzende des Förderkreises Dourtenga, den zehn Interessierten, die zur Treff-Neuauflage in den „Roten Hahn“ gekommen waren.

Üblicherweise trifft sich der Vorstand im kleineren Kreis wegen anstehender Entscheidungen. Regelmäßig soll es ab sofort wieder offene Zusammenkünfte wie diese geben. Dass sie am Ende des Abends noch eine Geldspende erhalten würde, konnte Dvorak zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Dieter Schlupp hat schon mehrfach den Verein unterstützt, er engagiert sich für Geflüchtete. Als „Gewürzpapst von Brühl“ hat er ein Friedenssalz kreiert, das er auf Märkten in der Region von Schifferstadt bis Bruchsal anbietet. Den Erlös der bisherigen Verkaufssaison stiftete er jetzt dem Förderkreis für seine Projekte in der Brühler Partnerschaft mit Dourtenga in Burkina Faso.

„Dass damit geholfen werden kann, die Unterernährung von Kindern zu mildern, finde ich prima“, stellte er fest. Die Höhe der wohltätigen Gabe wollte Schlupp nicht nennen. „Ich bin ganz überwältigt“, gesteht Renate Dvorak, die von der großen Spendenbereitschaft der Brühler berichtete.

Mit diesen Geldern und weiteren, die vom agilen Verein mit Aktionen akquiriert werden, ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten vieles geleistet worden – mit Konzept. Begann man die Unterstützung, immer als Hilfe zur Selbsthilfe, mit Brunnenbauten für sauberes Wasser vor Ort, mit Solaranlagen für autarke Stromproduktion, geht die Hilfe jetzt in weitere Lebensbereiche.

Schulen wurden gebaut, 300 Schulpatenschaften sorgen dafür, dass die Kinder die Schule besuchen können. Die Klimapartnerschaft zwischen den Gemeinden befindet sich aktuell in der Endphase der vertraglichen Regelungen.

Mit der Brühler Aktion „Hilfe für unterernährte Kinder“ hat man ein weiteres Zeichen gesetzt. „Hebammen vor Ort erklären den Frauen, wie sie aus wenigen Zutaten den nährenden Brei kochen können, damit ihre Säuglinge versorgt sind“, schilderte Dvorak.

Sieben Kinder im Durchschnitt

Im nächsten Schritt wird die Aufklärung über die Familienplanung ins Auge gefasst. Klaus Krebaum hatte einen über 100 Seiten starken Bericht zur Situation durchgearbeitet und lieferte einige Daten und Fakten. „2002 gab es in Burkina Faso rund elf Millionen Menschen, heute sind es etwa 19 Millionen“, schickte Renate Dvorak voraus. Durchschnittlich lebten in jeder Familie sieben Kinder, so Krebaum. „Etwa alle drei Stunden stirbt in Burkina Faso eine Mutter bei der Geburt eines Kindes“, zitierte er. „Es gibt Entbindungsstationen, in die die Frauen gehen können, allerdings, bei schwierigen Geburten gibt es keine Möglichkeiten dort“, sagte Dvorak.

Der direkte Zusammenhang zwischen Bildung und Familienplanung sei erkennbar: „Je höher die Bildung und der Wohlstand der Mädchen, desto weniger früh heiraten sie und bekommen weniger Kinder“, so Dvorak. Dasselbe gelte für das Gefälle zwischen Stadt und Land. Allerdings gäbe es wenig Arbeitsplätze für Höhergebildete, die abwanderten und das Know-how aus ihrem Land tragen würden.

Zugang zu Informationen über Empfängnisverhütung hatten lediglich 15 Prozent der Frauen in Burkina Faso im Jahr 2015, Ziel ist, diese Zahl bis 2020 auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen. Dafür braucht es ausgebildete Menschen. In den Familien sei das Thema tabu, das Projekt hat deshalb „einen langen Atem“. Ein zusätzlicher Weg ist, mehr Gesundheitszentren zu installieren, wo Aufklärung betrieben werden kann. Zurzeit finanziert der Förderkreis ein Gesundheitsprojekt mit jährlich 3000 Euro, das von einer Hebamme koordiniert wird. „Wir erhalten regelmäßig einen Bericht und eine detaillierte Aufstellung ihrer Ausgaben“, sagte Dvorak. zesa

Info: Infos über den Förderkreis unter www.dourtenga-bruehl.de

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