Brühl

Partnerschaft Delegation besucht Burkina Faso / Klimapartnerschaft soll Fortschritt vorantreiben / Nach Starthilfe ist mehr Eigeninitiative nötig

Bekommt Dourtenga bald einen Staudamm?

Brühl.Der erste Schritt der Klimapartnerschaft von Brühl und Dourtenga in Burkuina Faso ist getan. Die beiden Ratsmitglieder Hans Zelt (SPD) und Christian Mildenberger (CDU) sind zusammen mit Renate Dvorak vom Förderkreis Dourtenga in die afrikanische Partnergemeinde gereist, um gemeinsam mit Experten aus der burkinischen Hauptstadt und Vertretern Dourtengas Wünsche und Ziele abzuklären.

Jetzt haben beide Partner in der sogenannten Vorlaufphase ein Jahr Zeit, um die Chancen auf Realisierung dieser Wunschliste abzuklopfen und die Planung anzugehen. Dazu finden im Frühsommer auch noch einmal Gespräche mit einer Delegation aus Burkina Faso in der Kurpfalz statt.

Vor allem die Herzlichkeit und die Dankbarkeit der Menschen für das Brühler Engagement in Dourtenga haben die Vorsitzende des Förderkreises, Renate Dvorak, tief beeindruckt, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung feststellt. In der Entwicklung der zwölf Weiler, die zur Gemeinde gehören, sei ein enormer Fortschritt mit starker Bautätigkeit festzustellen. Ein wenig wehmütig stellt sie allerdings fest, dass dabei auch Traditionen verloren gehen. So weichen die überlieferten runden Lehmbauten mit ihren strohgedeckten Dächern eckigen Betonhütten mit Wellblechdach, die aber mehr Modernität und Komfort bieten.

Alles kompetent vorbereitet

Auch ist ihr aufgefallen, dass inzwischen die Landwirtschaft von den Einwohnern großflächiger betrieben werde. Es gebe Felder mit Baumwolle und Mais. „Allerdings ist durch die zu kurze und zu wenig ergiebige Regenzeit die Ernte nicht gut ausgefallen“, hat Dvorak erfahren.

Und genau in diesen Bereich greifen auch die Wünsche der Partner in Dourtenga. So stand die Idee eines Stau- beziehungsweise Rückhaltebeckens für Wasser vielfach im Mittelpunkt der Workshops und Vor-Ort-Termine in Nachbargemeinden, in denen solch ein Projekt bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Gleichzeitig wurden bereits mögliche Standorte für ein solches Becken in Dourtenga aufgesucht. „Es war alles sehr kompetent vorbereitet“, lobt Dvorak. Und die verbesserte Wasserversorgung in den Nachbargemeinden zeige, dass dieses Projekt offensichtlich alle Anforderungen erfüllen dürfte, um in das Förderprogramm der Klimapartnerschaft aufgenommen zu werden, das zum größten Teil vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit finanziert wird.

Außerdem spielt die Aufforstung in Dourtenga eine wichtige Rolle. Dabei wünschen sich die afrikanischen Partner, dass in jedem der zwölf Ortsteile ein kleiner Gemeindewald entsteht. Ein erster Versuch vor einiger Zeit fand bei einem Waldbrand ein plötzliches Ende. Weitere Themen waren die Förderung des Latrinenbaus in den Haushalten, um die hygienische Situation allgemein zu verbessern, den Bau von gemauerten Kochstellen statt der noch oft verwendeten Lagerfeuer, eine Biogasanlage, Weidezäune und die professionelle Entsorgung von Plastikmüll, der ein drängendes Problem darstelle, berichtet Dvorak.

Erste Klimaflüchtlinge

Neben diesen Projekten besuchte die Delegation auch solche, die der Förderkreis mit seinen Finanzmitteln initiiert hat. Ein besonderes Ereignis war die Einweihung der Ecole Sud im Süden der Gemeinde. Mittig zwischen zwei Ortsteilen ist dort eine Grundschule entstanden, in der insgesamt sechs Klassen unterrichtet werden können. Der Unterricht startete mit 68 Jungen und Mädchen. Unter diesen waren auch viele Mitglieder der Volksgruppe der Peuhl, die im Nordosten Burkina Fasos leben, nun aber als „erste Klimaflüchtlinge“, wie es Hans Zelt bezeichnete, in Dourtenga siedeln.

Außerdem wurden auch die übrigen Schulen, Kindergärten, medizinische Einrichtungen, Brunnen und die Nähschule besucht, die mit Mitteln aus Brühl entstanden sind. „Es ist alles in sehr gutem Zustand“, freut sich Dvorak. Allerdings übt sie auch ein wenig Kritik, dass die Partner nun, nachdem sie mit Einrichtungen für einen guten Start ausgerüstet seien, mehr Eigeninitiative übernehmen müssten, damit das Konzept der Hilfe zu Selbsthilfe erfolgreich greifen kann.

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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