Brühl

Festhalle Der Chor "Fine Art Music" überzeugt im Konzert mit seinem lebendigen und seinem "untoten" Repertoire das Publikum

Bis(s) zum allerletzten Klang

Archivartikel

Brühl."Der Chor ist ein Instrument, lernen sie es als variantenreich, vielfältig, lebensfreudig kennen - mal ganz entgegen der landläufigen Meinung, Chorgesang sei etwas für Ergraute und verstaubt", begrüßte Joe Völker und versprach in der Festhalle nicht zu viel.

"Blinded by the Light", mit diesem Song, der in der Coverversion der Manfred Mann's Earthband die Charts stürmte, spielt zum Einzug der 20 Sänger. Elf Frauen und neun Männer drapieren sich singend auf der Bühne, dabei etliche Solostimmen, die im Konzertverlauf für Begeisterung, Gänsehaut und Wohlfühlen sorgen werden.

Hommage an Roger Cicero

Der Einstieg mit einer schicken A cappella-Version von "Eleanor Rigby" (Beatles) macht Laune auf den übrigen Abend voller Stimmen, voller alter bekannter Lieder - und dann der Bruch: Fine Art Music singt auf vielfachen Wunsch des Publikums deutsche Songs.

Eine kleine Hommage an den im vergangenen Jahr verstorbenen Roger Cicero präsentiert Ralf Piepenstock mit Hut und extremem Swing in der Stimme: "Zieh' die Schuh' aus". Riesenapplaus.

Einen kleinen Traum träumen

Was man hört und auch sieht, gefällt. Ab in die 1970er entführt Toto's "Hold the Line" mit viel Bewegung der Sänger, die den Tonteppich von Chorleiter Völker am Keyboard, Katharina Gross am E- und Kontrabass sowie Peter Götzmann am Schlagzeug mit Elan betreten. Henry Mancini hat dem Film "Pink Panther" den unverwechselbaren Sound verpasst, die Sänger improvisieren den Klassiker mit ihren Stimmen und diversen Lauten - einfach klasse.

Die Latte des sängerischen Könnens, des Spielens mit dem Instrument Chor liegt bereits hoch, "Happy" von Pharell Williams gewinnt in der Interpretation von Lena Staader. Soul in der Stimme hat Stefanie Schati, das stellt sie unter anderem bei "Dream a little dream" eindrucksvoll unter Beweis.

Gespannt und letztendlich fasziniert galt es im zweiten Teil des Konzertes die Hits der britischen Band Queen im Medley zu erleben. Dabei stand weder Solist Jens Schulze-Osthoff "Under Pressure" (unter Druck), noch stand außer Frage: "The show must go on" (Die Show muss weitergehen). Mit "Bicycle Race", "Who wants to live forever", bekannt geworden durch die Highlander-Filme, im zweiten Konzertteil zusätzlich "I want it all" setzten die Sänger und vordergründig der Solist eine Marke an Können.

Bruno Mars lieferte "Uptown funk", das die 20 Stimmartisten gerne aufgriffen, mit einer ordentlichen Portion Singfreude präsentieren. Gleich vier Solisten: Isolde Jöst, Ruth Hofstetter, Silvia Klingel und Christian Sturm erfüllen die Titelsongs der Filme des Agenten Ihrer Majestät "James Bond", mit Leben.

Gänsehaut satt garantiert

Im Musical-Bereich kommt man an den Kompositionen von Sir Elton John nicht vorbei. So gibt es Hörgenuss mit "Circle of Life" und Tina Heinzmann, die Mandrill Rafiki und dessen in Swahili verfassten Worte singt, Ralf Piepenstock an der Flöte, der die entsprechenden Passagen spielt - Gänsehaut satt und stürmischer Beifall sind Begleiter.

Und auch Graf Dracula lässt grüßen und beißen, als Jens Schulze-Osthoff fantastisch gesungen die Hymne "Totale Finsternis" aus "Tanz der Vampire" anstimmt und zusammen mit Silvia Klingel auch optisch gelungen inszeniert.

In ein Meer der Gefühle nehmen die Sänger mit "A Nightingale sang in Berkeley Square", einem Grammy gekrönten Werk das Gene Puerling einst für Manhattan Transfer arrangiert hatte: "An diesem Chorsatz ändere auch ich nichts, der ist perfekt", gesteht Joe Völker, der sonst alle Lieder für seinen Chor arrangiert.

Für die dritte Zugabe stellt sich der Chor schon am Ausgang auf und entschwindet bei "River in my Dreams" mit dem Solo von Stefanie Schati langsam hinaus.

In der Festhalle sind wenige Plätze unbesetzt geblieben am Sonntagabend, dennoch hätte der Chor, dessen unermüdliches "Verbessern" der sowieso schon beeindruckenden Leistung ein volles Haus verdient gehabt, zeigte sich durchaus ohne Staubbelag und in nahezu perfektem Einklang von Stimmen, Instrumenten und Chorleitung.

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