Brühl

Corona Trainingsangebote in den Hallen ist derzeit nicht möglich / Mitglieder zeigen zumeist Verständnis für die Ausnahmesituation / Keine Austrittswelle festzustellen

Brühler Sportvereine setzen auf digitalen Kontakt

Archivartikel

Brühl.Die Corona-Pandemie stellt auch die Sportvereine in Baden-Württemberg seit vielen Monaten vor große Herausforderungen. Seit Anfang November pausiert der Amateursport wieder. Wie es im neuen Jahr weitergeht, ist noch unklar. Im Juni und Juli vergangenen Jahres wurden Soforthilfeprogramme gestartet. Nachdem die Soforthilfemittel in Höhe von 11,635 Millionen Euro Ende November ausgeschöpft waren, beschloss die Landesregierung Mitte Dezember, weitere 7,5 Millionen Euro Soforthilfe für Sportvereine bis Ende Juni zur Verfügung zu stellen. Doch bei den Vereinen geht es um mehr als nur die Finanzen. Vereine leisten für ihre Mitglieder viel für die Gesellschaft, das Zusammenleben – und das liegt durch die Pandemie-Verordnungen derzeit eher brach.

Wir haben bei den Sportvereinen der Hufeisengemeinde nachgefragt, wie das neue Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie angefangen hat. Manche Vereine kommen mit Onlinetraining durch die schwierige Zeit. Sie organisieren teilweise Kurse über Videokonferenzsysteme, andere verschickten Newslettern und halten so Kontakt. So können auch die Mitglieder weiterhin – wenn auch im eingeschränkten Maße – trainieren.

Der Sportverein Rohrhof hat den sportlichen Betrieb seit Anfang November und zunächst bis zum 11. Januar komplett eingestellt. Über etwaige Veränderungen oder Neuigkeiten hält der Verein die Mitglieder auf der Homepage auf dem Laufenden. „Wir sind im Verein dabei, uns nach den Feiertagen neu zu finden“, teilt Vorsitzender Hans Hufnagel mit.

„Der zweite Lockdown hat die Vereine und die damit verbundene ehrenamtliche Arbeit schwer getroffen“, klagt Leichtathletik-Sportleiter Sven Stumpf. Erneut habe der Trainingsbetrieb eingestellt werden müssen: „Um dennoch aktiv zu bleiben, sind wir auf Online-Video-Training umgestiegen, dass wir allen Altersklassen anbieten“. Daneben bekommen die Leistungssportler individualisierte Trainingspläne zugeschickt, die sie zu Hause oder im Freien absolvieren können. Um neben dem Trainingsangebot das „Wettkampf-Feeling“ zu ermöglichen, habe man sich Anfang November die „SVRLockdownChallenge“ überlegt. Die eingesendeten Videos, die als „Beweis“ für die erbrachte Leistung genutzt wurden, sind zusammengeschnitten und auf den Social-Media-Kanälen veröffentlicht worden.

Beim Turnverein Brühl wurde der Sportbetrieb mit der neuen Corona-Verordnung vom 16. Dezember generell bis zunächst einschließlich Sonntag, 10. Januar, eingestellt. Es sei aber ungewiss, was danach auf den Verein zukomme, meint der Vorsitzende Uwe Schmitt. „Es ist eine schwierige Zeit. Je nach Lage und Zahlen der Corona-Pandemie müssen wir dann entsprechend reagieren.“

Schmitt hofft, dass alle Mitglieder dem Verein erhalten bleiben. Das habe er so auch in einem Brief zu Weihnachten formuliert. Das alternative Online-Angebot der Turnabteilung soll beibehalten werden. Zudem gibt es virtuelle Trainingsstunden unter anderem für Online-Walking über Skype, Fitness- und Gesundheitstraining für Frauen und Zumba für Erwachsene sowie Yoga.

„Gerade zu Beginn des neuen Jahres herrscht eine emsige Betriebsamkeit in der Führungsebene der Sportgemeinschaft“, stellt der stellvertretende SG-Vorsitzende Reinhard Baumann fest. „Bei der Terminplanung kann in der Corona-Pandemie keine Rede von verminderten Aktivitäten in der Vereinsführung sein. Das Gegenteil ist der Fall. Wir gehen sehr selbstbewusst mit einer unsicheren Zukunft um, nämlich geplant, strategisch und proaktiv.“ So arbeite man aktuell an einer Strategieentwicklung für ein attraktives in die Zukunft gerichtetes Ziel im bisher vernachlässigten Segment „Wettkampfsport auf Kreisebene“. Die Kommunikation erfolge überwiegend in einem „Schützen-Chat“ und per E-Mail, so Baumann.

„Uns geht es eigentlich ganz gut, wir warten aber sehnsüchtig auf die Öffnung des Schwimmbades“, sagt Elke Hube, die zweite Vorsitzende des Schwimmvereins Hellas. Die Mitglieder seien dem Schwimmverein durch die Pandemie treu geblieben, freut sie sich. Nachdem der SV Hellas das Schwimmtraining als auch die Wettkämpfe hatte absagen müssen, ist noch ungewiss, wie es im neuen Jahr weitergehen wird. Im Frühjahr trainierten die Wettkampfgruppen mit der Leichtathletikabteilung des FV Brühl und beim Schwimmen im Kollersee.

Derzeit ist allerdings auch ein Online-Trockentraining für die Wettkampfgruppen des Schwimmvereins im Angebot. Für die 230 Mitglieder gab es zudem eine tolle Weihnachtsaktion. Sie konnten sich ihre Geschenke beim Drive-In auf dem Hallenbad-Parkplatz abholen.

Der Vorsitzende des Fußballvereins Brühl, Karlheinz Knoll, hat für die nächsten Wochen auch noch keine bestimmte Strategie. Niemand wisse, wie es weitergehen wird. Training und Spielbetrieb bleiben wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. „Wir können nur abwarten, mehr können wir nicht tun. Wir brennen aber alle darauf, dass es wieder anläuft“, meint Knoll. „Bewegung und Sport sind nämlich besonders wichtig.“ Die Abteilungen haben ein Angebot über Internet. Auch Personaltraining gibt es. Die Kommunikation zu den Mitgliedern funktioniere online oder durch Informationen über unsere Zeitung. Knoll hofft, dass bald alle Sportler wieder im Freien trainieren dürfen.

Beim Tanzsportclub Kurpfalz, der sonst ein vielfältiges Trainingsangebot in Brühl, Ketsch, Oftersheim, Schwetzingen und Plankstadt bietet, ist der Sportbetrieb ebenfalls seit Anfang November eingestellt. Ab wann die Tanzkreise fortgeführt werden können, kann Klemt noch nicht sagen. Zurzeit sei es auch nicht möglich, die erforderliche Mitgliederversammlung einzuberufen, um einen neuen Vorstand zu wählen. Der jetzige Vorstand sei aufgrund der Sachlage deshalb weiter kommissarisch im Amt, so Klemt.

Der Tennisclub sieht sich im Spielbetrieb wegen der Schließung der Sportstätten derzeit wenig eingeschränkt, weil der Verein keine Halle hat. „Deshalb passiert bei uns über Winter allgemein im Sportbetrieb eher wenig“, sagt Vorsitzender Thomas von Aschwege. Allerdings leide das Gesellige durch die Verordnungen. Über einen Newsletter versuche man dennoch, den Kontakt zu den Mitgliedern zu pflegen. Die Mitgliederversammlung, die eigentlich turnusgemäß im Februar ansteht, werde allerdings wohl nicht stattfinden können, meint von Aschwege.

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