Brühl

KfD Heiko Wunderling und Simone Röhling halten einen Vortrag zum Thema Frühchen / Mitglieder helfen bei Sorgen und Problemen

„Das Leben steht Kopf – nichts ist mehr wie vorher“

Brühl.Zur ersten Veranstaltung der KfD Rohrhof im neuen Jahr „Frühchen“ begrüßte Elsbeth Franz zu Beginn besonders die Referenten Heiko Wunderling und Simone Röhling. Beide seien nicht nur seit zwei Jahren die Vorsitzenden des Vereins, der im letzten Jahr sein 30-jähriges Bestehen feierte, sondern auch Eltern von Frühgeborenen. Dies ermöglichte einen persönlichen und praxisnahen Einblick in das Leben mit den Winzlingen.

Jedes Jahr werden in Deutschland 66 000 Kinder zu früh geboren; jedes zehnte Kind, das zur Welt kommt, ist eine Frühgeburt. Allein in Heidelberg sind das über 100 Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1 500 Gramm. Für die Kleinen sind drei Bausteine für das Überleben wichtig: Die Lungenreifung, die Darmtätigkeit und das Gehirn. Die Kinder werden künstlich beatmet und bekommen mit Protein angereicherte Muttermilch, die über Magensonden zugeführt wird, um das Wachstum anzuregen.

Hohe Belastung für die Eltern

„Vergleichbar ist die Kalorienmenge einer Mahlzeit mit zwei Burgern und Pommes“, erklärte Wunderling. Für die jungen Eltern stellt das Leben mit einem Frühchen alles Bisherige auf den Kopf. Der tägliche Überlebenskampf der Kinder, die psychische Belastung und Zukunftssorgen machen alle Planungen zunichte. Ein „normales“ Familienleben ist in den ersten Monaten nicht möglich, da sich alles in der Klinik abspielt. Die Heidelberger Frühchenstation bezieht deshalb die Eltern schon früh in die Pflege der Babys mit ein, damit eine Beziehung zwischen Eltern und Kind aufgebaut werden kann.

Wichtig dabei ist das „Kangarooing“, der intensive Körperkontakt. Röhling erläuterte am Beispiel ihrer Zwillingstöchter die Probleme, die zu Hause auftreten können. So ist das Trink- und Essverhalten ein Dauerthema, die verzögerte Entwicklung zu altersgleichen Kindern und die ständige Angst vor neuen Klinikaufenthalten. Genau bei diesen Sorgen setzt der Verein an. Damit die jungen Eltern sich nicht mit der ganzen Problematik alleine gelassen fühlen, kommt es zu einer intensiven Betreuung und Vernetzung untereinander.

Es gibt das jährliche Frühchenfest, vier Elterntreffs im Jahr, Seminare und Fortbildungen, am 17. November, dem Weltfrühchentag, sind Aktionen in Heidelberg geplant und das Schloss wird in lila, der Farbe der Frühgeborenen, angestrahlt. Abschließend brachte Heiko Wunderling mit den Worten „Das Leben steht nach der Frühgeburt Kopf – nichts ist mehr wie vorher“ einen besonderen Nachmittag auf den Punkt. fr

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