Brühl

Ei als Ostersymbol Nachgefragt bei den Kleintierzüchtern Ilse Deutsch sowie Heinz Geschwill und Pfarrerin Almut Hundhausen-Hübsch

Die Natur malt die schönsten Farben

Archivartikel

BRÜHL.„Die Tendenz geht seit einiger Zeit schon dahin, zu wissen, wie die Hühner leben, was sie fressen“, sagt Ilse Deutsch, Vorsitzende der Kleintierzüchter in Brühl, mit Blick auf die „Eierproduzenten“. Das beinhalte auch, zu kennen, wer sich um die Tiere kümmere. Die auf der Anlage gelegten Eier werden im Eigengebrauch verarbeitet, erzählt Deutsch und zeigt die großen kupferfarbenen vom Marans-Huhn, die kleineren blassbraunen von den Welsumer und Barnevelder Hühnern, dann die leicht grünlichen von den Araucanern und mittelgroße vom Jersey-Huhn in gelbbraun. Man erkennt wie die Legehenne versorgt ist: „Von Natur aus gibt es unterschiedlich große Dotter und variierende Menge an Eiweiß, aber die Stabilität der Schale ist schon ein Indiz: Je fester und dicker, desto besser das Futter und desto länger die Zeit draußen, außerhalb des Stalls.“

Bei Ilse Deutsch und Heinz Geschwill, dem zweiten Vorsitzenden im Verein, gibt es an Ostern die Eier in ihrer natürlichen Farbe, „weil die ja schon bunt sind, da braucht man nicht färben.“ Private Hühnerhaltung gibt es kaum, „es ist eine große Aufgabe und mit viel Zeitaufwand verbunden, wenn man Hühner züchtet und hält“, nennt Deutsch als Grund dafür. Die hier gelegten Eier haben selbstverständlich keine Stempel, die die Herkunft anzeigen, „wir wissen ja, woher wir die Eier haben“, so Deutsch lachend. Der Stempel hat es übrigens in sich: Die erste Zahl gibt die Haltungsart an – „0“ für Biohaltung, „1“ für Freilandhaltung, „2“ für Bodenhaltung und die „3“ für Käfighaltung. Die zweite Stelle im Code weist auf das Herkunftsland hin. In deutschen Supermärkten finden sich häufig die Abkürzungen „DE“ für Deutschland, „NL“ für die Niederlande oder „PL“ für Polen. Bei deutschen Eiern geben die darauffolgenden zwei Ziffern Aufschluss über das Bundesland: Von „01“ für Schleswig-Holstein bis „16“ für Thüringen. Die letzten fünf Ziffern informieren über den Legebetrieb. Gibt man den Code unter www.was-steht-auf-dem-ei.de ein, erfährt man den Namen des Landwirts und kann Infos zum Hof erhalten.

Bräuche mit Frühjahr verbunden

„Ich persönlich mag Eier – besonders hartgekochte – nicht besonders und esse sie nur in irgendwelchen Gerichten oder Kuchen gerne. In Zeiten der Massentierhaltung wird es mir mit den Eiern derzeit zu viel“, erzählt Pfarrerin Almut Hundhausen-Hübsch. Gefragt nach speziellen evangelischen Bräuchen rund ums Ei, gesteht sie, dass sie hier keine konkreten kennt. Die meisten Bräuche rührten demnach aus der Frühjahrseierlegephase der Hühner nach der Winterpause, dem Ende der Fastenzeit, der Abgabe von Steuern in Form von Eiern und anderen volkstümlichen Anlässen her, erläutert die Pfarrerin. Übrigens: Der Brauch, Eier zu verschenken, geht unter anderem darauf zurück, dass während der Fastenzeit keine Eier gegessen werden durften. Hühner legten diese aber nun mal. Also wurde das Überangebot haltbar gemacht, in dem die Eier gekocht und dem Kochwasser Pflanzenteile zum Färben beigegeben wurden. So konnte die gekochten von den rohen Eiern unterschieden werden. Seit dem 13. Jahrhundert ist die traditionelle Farbe für Ostereier rot – als Farbe des Leben und auch als Symbol für das Blut Christi.

Im Ostermorgengottesdienst unter dem Titel „Stone-washed“ spielen Eier eine Rolle. „Hintergrund ist das steinkieselartig-leblose Aussehen von Eiern, das der Legende nach die heilige Katharina genutzt haben soll, um den römischen Kaiser Maxentius von der Auferstehungsbotschaft zu überzeugen. Mit dieser Geschichte im Hintergrund werden wir „Steine taufen. Mehr verrate ich nicht“, macht die Pfarrerin neugierig. zesa

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