Brühl

Nachruf 33 Jahre war er Kommunalpolitiker mit Leib und Seele / Er gestaltete gesellschaftliches Leben

Ehrenbürger Werner Fuchs ist gestorben

Brühl.Er war ein Mann, der seine Heimatgemeinde maßgeblich mitgestaltet hat – nicht nur am Ratstisch, sondern auch bei vielen Veranstaltungen war er ein echter Macher. Am Sonntagnachmittag starb der Brühler Ehrenbürger Werner Fuchs nach langer schwerer Krankheit in einem Seniorenheim in Ketsch, wie die Familie jetzt informiert.

Im Februar 1943 war er in der Hufeisengemeinde geboren worden. „Er war schon als Kind beim Spielen immer der Häuptling. Wenn wir Lausbuben waren, war er der Oberlausbub“, erinnerte sich sein langjährige Weggefährte Gerhard Stratthaus in einer Ansprache zu der Überreichung der Ehrenbürgerwürde vor drei Jahren an die gemeinsame Kindheit in der Luisenstraße. „Der Fuchse-General, wie er genannt wurde, sorgte immer für Aufsehen“, sagte Stratthaus damals.

Fuchs war im November 2017 für seine unermüdlichen Verdienste um die Gemeinde nach dem Abschied aus dem Gemeinderat in den erlauchten Kreis der Ehrenbürger aufgenommen worden.

Seine kommunalpolitische Laufbahn begann der gelernte Werkzeugmacher im Oktober 1984. Da war der damals 41-Jährige zum ersten Mal auf der Liste der SPD in den Gemeinderat gewählt worden. Er war da schon kein Unbekannter im Ort – beim Fußballverein und in diversen anderen Vereinen war er bereits zuvor sehr engagiert gewesen und das sollte er auch im Gemeinderat fortsetzen.

Ein Mann mit „Brühler Charme“

Werner Fuchs hatte sich schnell am Ratstisch etabliert und wurde zum anerkannten Ansprechpartner vieler Bürger, die einen Fürsprecher für ihre Projekte suchten. Dabei hatte er 33 Jahre im Rat stets zweierlei sehr gut gekonnt: Er vertrat die Interessen der Menschen sehr wirkungsvoll, wenn er dahinterstehen konnte, aber er schaffte es auch, es den Leuten klarzumachen, wenn ihre Anliegen undurchführbar waren.

Mit seiner direkten Art und dem ihm eigenen „Brühler Charme“ hatte er sich schnell Freunde im Gemeinderat gemacht. Und so wurde Fuchs schon in seiner ersten Legislaturperiode Fraktionsvorsitzender der SPD. Das zeigten sein diplomatisches Geschick und seine zupackende Art. Wenn er eine Idee vertrat, dann konnte er dafür wie ein Löwe kämpfen, erwies sich aber auch – wenn nötig – einsichtig und kompromissbereit. Seinen Humor hat er dabei nie verloren.

Stimmenkönig und Stellvertreter

Für einen kommunalpolitischen Kracher sorgte der SPD-Mann Fuchs 1999, als er seine Mitgliedschaft bei den Sozialdemokraten kündigte und nach einer kurzen parteilosen Ratszeit in die Fraktion der Freien Wähler wechselte. Nach diesem Wechsel holte Fuchs dort die meisten Stimmen und wurde über viele Jahre sowohl Bürgermeisterstellvertreter als auch Fraktionsvorsitzender und Kreisrat.

2017 zog er sich aus allen Ämtern zurück. Werner Fuchs war bis dahin 33 Jahre Kommunalpolitiker mit Leib und Seele gewesen – ein Glücksfall für Brühl, wie bei seinem Ausscheiden fraktionsübergreifend gelobt wurde. Und so gab es damals keine lange Diskussion, als vorgeschlagen wurde, ihm die Ehrenbürgerwürde zu verleihen.

Gemeinderat und Festorganisation waren für Fuchs seit den 1980er und 1990er Jahren zur Lebensaufgabe geworden. Denn Fuchs war nicht nur als Rat im Gemeindeleben prägend gewesen. Er gehörte stets ganz oben auf der Liste zu den Vätern der Volksfeste in der Gemeinde.

Nicht ohne Grund war Fuchs unter anderem der Ehrentitel des „Kerwebirgameschdas“ verliehen worden. Immerhin hatte er die Grundlagen für die Straßenkerwe in Brühl gelegt. Die Begeisterung, die Kerwe zu feiern, krankte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich an Intensität. Das uralte Fest hatte seine Anziehungskraft verloren. Das änderte sich erst, als einige gestandene und traditionsbewusste Männer sich um ihren Kopf Werner Fuchs 1985 zunächst als Organisationskomitee, dann als Kerweborscht zusammenfanden und die Straßenkerwe ins Leben riefen – eine Kombination aus fröhlicher Brauchtumspflege, lebendigem Straßenfest und verkaufsoffenem Sonntag. Fuchs kreierte so das größte Volksfest der Gemeinde, das unter seiner Führung zum absoluten Publikumsmagneten der Region avancierte.

Große Verdienste erwarb er sich auch im Organisationsteam der großen 850-Jahr-Feier seiner Heimatgemeinde 2007, die er maßgeblich prägte. Als wäre das nicht genug, organisierte er quasi nebenbei noch das Luisenstraßenfest, das Gänsweidfest und den SPD-Weihnachtsmarkt. Im Gemeinderat setzte er mit Ausflügen, Wilddieb-Essen und Nikolausfeiern des Rates Akzente, die für ein gutes Klima über Fraktionsgrenzen hinweg sorgten und die Zusammenarbeit positiv beeinflussten. Der „Fuchse Werner“ war ohne Zweifel einer, der Brühl liebenswerter gemacht hat.

In der fasnachtlichen Bütt

Auch in die fasnachtliche Bütt stieg er, spitzte zunächst bei der närrischen Sitzung des Gesangvereins Konkordia, dann als „Brühler Bürger“ bei beiden örtlichen Karnevalsvereinen Themen närrisch zu und erntete dafür von allen Seiten viel Applaus. Werner Fuchs wird der Gemeinde als Macher und als Mensch wirklich fehlen.

Wegen der Corona-Problematik wird die Trauerfeier für Werner Fuchs nur im kleinsten Kreise stattfinden, erklären die Angehörigen und bitten, diese Entscheidung zu respektieren.

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