Brühl

Nachruf Ehrenbürger Hans Motzenbäcker ist im Alter von 83 Jahren gestorben / Seine Heimatgemeinde und die Sportverbände im Land verdanken ihm viel

Ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen

Brühl.Sein mildes, manchmal schelmisches Lächeln, sein väterlich-freundschaftlicher Rat, sein anpackendes Wesen und seine Kompetenz in vielen Bereichen – all das wird den Menschen fehlen. Mit Ehrenbürger Hans Motzenbäcker ist in der Nacht auf Mittwoch ein Mann mit einem großen Herzen nach schwerer Krankheit gestorben.

Sehr viel Freizeit stellte Motzenbäcker zeit seines 83-jährigen Lebens ins Ehrenamt. Dafür hat er viele Auszeichnungen und Ehrentitel erhalten. Stellvertretend seien das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland am Bande im Jahr 1992, der Hanns-Braun-Gedächtnispreis als Auszeichnung des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) 1997, die Goldenen Ehrennadeln des DLV, des Gemeindetages Baden-Württemberg sowie der Gemeinde, 2008 die Ehrenbürgerwürde von Brühl und die Landesehrennadel Baden-Württemberg genannt.

Ideen Kolpings verpflichtet

Doch diesen Ehrenzeichen jagte er nie hinterher, sondern war in all seinem Wirken stets vom Willen beseelt, Hilfestellung zu geben, wo immer Not am Mann war. Bei der Überreichung der Ehrenbürgerwürde an ihn sagte Bürgermeister Dr. Ralf Göck über Motzenbäcker, er sei „geprägt von den Ideen Adolf Kolpings und habe er sich anerkanntermaßen erfolgreich daran orientiert, ein vorbildlicher Meister im Beruf, ein treu sorgender Familienvater, ein guter Christ und ein verantwortungsbewusster Staatsbürger“ zu sein.

Als 15-Jähriger kam er Anfang der 1950er-Jahre aus dem Taubertal nach Brühl. Dort lernte er bald seine spätere Frau Maria kennen und heiratete sie 1958. Vor einigen Jahren starb sie – ein schwerer Verlust für Motzenbäcker. Doch die Familie gab ihm Kraft. Gemeinsam hatte das Ehepaar sechs Kinder großgezogen, die ihm bereits zahlreiche Enkel bescherten. Ihnen gilt unsere tief empfundene Anteilnahme.

Engagierter Kommunalpolitiker

Früh zeigte Motzenbäcker vor allem in drei Bereichen sein immenses ehrenamtliches Engagement: in der Kirche, in der Kommunalpolitik und im Sport. Im kirchlichen Bereich startete das Mitglied der Kolpingsfamilie 1952 als Jungscharführer, nahm schon bald weitere Aufgaben wahr, etwa in den 1970ern als einer der ersten Pfarrgemeinderäte, zudem war er bis 2006 Teamsprecher im Altenwerk. In der Kolpingsfamilie, der er 65 Jahre angehörte, war er – solange es seine Gesundheit noch zuließ – bei den Brillen- und Briefmarkensammlungen aktiv, gestaltete für die Gruppen der Kirchengemeinde regelmäßig die Kreuzweg- und Rosenkranzandachten.

Über 31 Jahre saß der pensionierte Postoberamtsrat zudem im Brühler Gemeinderat – er wurde stets mit höchsten Stimmenzahlen gewählt, war deswegen auch als Bürgermeisterkandidat im Gespräch, überließ die Kandidatur um den Chefsessel im Rathaus dann Günther Reffert.

Als er Ende der 1960er mit der Kommunalpolitik begonnen hat, war das gegen Ende der Aufbau-Ära in Brühl. Die wesentlichen Einrichtungen waren geschaffen – Schulden aufgetürmt. Er leitete mit die Haushaltskonsolidierung ein. Und dennoch wurde viel geleistet in seiner Heimatgemeinde, vor allem ging es um die Sanierung bestehender Einrichtungen, die Motzenbäcker in seiner Zeit als Gemeinderat, als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und seit 1986 bis 2003 als Fraktionsvorsitzender der CDU mitverfolgt und mitgetragen hat.

Seine große Liebe galt neben seiner Familie aber der Leichtathletik. „Seinem“ Fußballverein Brühl trat er 1952 als Leichtathlet bei, holte einige Meistertitel. Seit 1964 war er dort Vorstandsmitglied, ab 1980 Vorsitzender und seit 1995 Ehrenvorsitzender. In seiner Zeit gab es viele Um- und Erweiterungsbauten. Stets setzte er neue Impulse. So hat er die Jedermannsportgruppe eingeführt und die Walking-Gruppen etabliert.

Bedeutender Sportfunktionär

Bereits während seiner aktiven Zeit im FV Brühl und im ehemaligen Kreis Mannheim engagierte er sich auf zahlreichen Positionen und Funktionen, bevor er 1974 einer der Mitbegründer des Leichtathletikkreises Rhein-Neckar wurde und im Verband überregionale Verantwortung übernahm. Von 1974 bis 1988 war er Sportwart und von 1982 bis 1988 Vizepräsident des Badischen Leichtathletikverbandes (BLV) sowie von 1984 bis 1986 auch kommissarischer Schatzmeister. Nach dem Ausscheiden von Helmut Rang wurde Hans Motzenbäcker 1988 zum BLV-Präsidenten gewählt. Er führte den Badischen Leichtathletikverband in die Neuzeit, baute die Geschäftsstelle weiter aus, formte ein funktionierendes Präsidium und verstand es immer wieder, neue, auch junge, Mitarbeiter für die Arbeit im Verband und für die Leichtathletik zu begeistern.

Zu den Leichtathletikfreunden in Württemberg pflegte er ein freundschaftliches Verhältnis, in seine Zeit fallen die ersten früchtetragenden kollegialen Kooperationen, die bis heute wirken. Mit seinem damaligen WLV-Kollegen Lebherz rief er 1993 die Arbeitsgemeinschaft baden-württembergischer Leichtathletikverbände ins Leben. Bis 2004 stand Motzenbäcker an der Spitze des BLV, von 1992 bis 2005 auch an der Spitze des Süddeutschen Leichtathletikverbandes. Nach dem Ausscheiden aus beiden Ämtern wurde er jeweils zum Ehrenpräsidenten.

Auch im „Ruhestand“ aktiv

Auch nach seinem Ausscheiden aus der vordersten Linie der aktiven Funktionsträger war Motzenbäcker gerngesehener Gast bei vielen Veranstaltungen, ob im Stadion oder in der Halle, ob bei Sitzungen oder Jubiläen. Sein Rat wurde gesucht. Stets wusste er mit launigen Worten zu motivieren, aber auch zu mahnen. „Mit Hans Motzenbäcker ist ein ganz Großer der badischen Leichtathletik für immer gegangen“, heißt es in einer Würdigung des Verbandes.

Auch seine weiteren Vereinsmitgliedschaften in Brühl, etwa beim Kleintierzüchterverein, beim „Sängerbund“ oder beim CV „Rohrhöfer Göggel“, aber auch in 15 anderen lokalen und regionalen Vereinen, hat er bewusst gelebt.

Seit mehr als einem Jahr hatte Hans Motzenbäcker mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die ihn teilweise an den Rollstuhl fesselten und zum Schluss gar nicht mehr aus dem Bett ließen. Jeder, der ihn kannte, weiß wie schwer ihm das gefallen ist. Nicht mehr unter Leuten zu sein, nicht mehr seine geliebte Leichtathletik besuchen zu können. ras/hz

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