Brühl

Orkantief „Emily“ Erinnerungen an das große Unwetter vor 25 Jahren / Dachfenster völlig zertrümmert

Ein verhagelter Geburtstag

Archivartikel

Brühl.Den 22. Juli 1995 werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen, denn an diesem Tag habe ich meinen 40. Geburtstag gefeiert – einen runden Geburtstag der besonderen Art. Wir hatten Schweizer Freunde zu Gast, sie kamen mit ihrem sechs Wochen alten Auto zu uns. Die Vorbereitungen zur Party waren abgeschlossen, Tische, Stühle, Bänke und der Grill waren aufgebaut.

Ich saß mit meinem Schweizer Freund im Garten und wir haben unser Leben genossen. Unsere Frauen waren unterwegs, um noch etwas zu besorgen, unsere beiden Söhne waren zu einem Tauchkurs im Rheinauer See. Plötzlich sagte mein Freund: „Die Wolke da drüben sieht aber komisch aus. Sollen wir die Polster ins Trockene bringen?“. Auf meiner Seite hatte aber die Sonne geschienen und ich entgegnete „das zieht vorbei …“. Aus der Wolke wurde eine schwarze Wand, die plötzlich bei uns war – keine Zeit mehr für die Polster!

Während ich ins Haus geeilt bin, um die Fenster zu schließen, fing schon der Hagel an. Als ich das Treppenhaus erreicht hatte, gab es von oben einen Riesenschlag – das Dachfenster war vom Hagel zertrümmert, die Scherben fielen begleitet von Regen und Hagel bis in den Keller. Währenddessen kamen unsere Frauen vom Einkauf, die Hagelkörner waren so groß, dass unsere Freundin lieber in der sicheren Garage geblieben ist.

Der Regen ließ nach, es wurde wieder hell. Da ich im Dachgeschoss gerade die Kinderzimmer ausgebaute hatte, lag dort noch Restholz und das Werkzeug. Damit habe ich ein „Notfenster“ gebastelt und als ich fertig war, kam das Unwetter wieder – „Emily“ war eine Art Zyklon!

Unsere Jungs waren unter Wasser als der Hagel kam, die Wasseroberfläche sah spektakulär aus! Im Schutz der über den Kopf gehaltenen Taucherflossen sind sie dann ins Auto geeilt. Um es kurz zu machen, außer dem Dachfenster gab es glücklicherweise keine Verletzten bei uns, das Schweizer Auto hatte durch das „kurpfälzer Dellendesign“ einen wirtschaftlichen Totalschaden erlitten … Der Grill ist auf den Balkon gewandert, die Geburtstagparty aus dem Garten ins ehemalige – nun leere – Kinderzimmer umgezogen und alles fand ein Happy End. Ein paar Gäste aus Mannheim machten große Augen als sie zu uns kamen – sie hatten zuhause nach meiner Erinnerung höchstens einen kleinen Schauer gehabt.

Spätfolgen waren mehrere Kunststoff-Dachrinnen und ein Balkondach aus Kunststoff, die durch den Hagel Haarrisse und dann erst im folgenden Jahr Löcher bekommen hatten. In unserem Schrebergarten, der in Brühl in Richtung Ketsch liegt; waren alle Terrakottafiguren zertrümmert und von den großblättrigen Pflanzen blieben oft nur noch die Stengel übrig – die Blätter hatte „Emily“ pulverisiert.

Im Vergleich zu den Betroffenen in Ketsch sind wir glücklicherweise glimpflich davongekommen! Ein paar der Mega-Hagelkörner haben das Unwetter noch längere Zeit in unserem Tiefkühlschrank überlebt.

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