Brühl

Freiwillige Feuerwehr Kommandant Marco Krupp blickt auf ein außergewöhnliches Jahr zurück / Schilfbrände, Sturm und Übungsausfall bleiben im Gedächtnis

Einsatzmannschaft wird 243 mal gerufen

Archivartikel

Brühl.Flächenbrände, Rheinalarme, Übungsausfall dank Corona – 2020 hielt für die Freiwillige Feuerwehr viele Herausforderungen bereit. „Ein Jahr, bei dem das kostbarste Gut unseres Zusammenhaltes, die Kameradschaft, auf die Probe gestellt wurde“, fasst Kommandant Marco Krupp in seiner Bilanz zum Ende des vergangene Jahres zusammen.

Die Hauptversammlung der Wehr im März war bereits geplant und fiel als eine der ersten Versammlungen in Brühl der Pandemie zum Opfer. Aber auch der beliebte Tag der offenen Tür, das traditionelle Grillfest und der Familien- und Ehrungsabend mussten abgesagt werden. „Alle Beförderungen und Ehrungen werden nachgeholt und noch gebührender gefeiert, wenn es die Allgemeinverordnungen wieder zulassen“, versichert Krupp den Betroffenen.

Im Juni stiegen die Kameraden mit einem Notplan wieder in den Übungsbetrieb ein, doch seit dem Beginn der zweiten Pandemiewelle im Oktober liegen erneut alle nicht notwendigen Aktivitäten auf Eis. Was die Einsatzmannschaft allerdings weiterhin bewältigte, waren die Einsätze. 243 mal rückten die Retter im vergangenen Jahr aus. „Für uns alle haben sich die gewohnten Bedingungen geändert, in dem wir nun schon obligatorisch eine Mund-Nase-Maske tragen und die Kontaktflächen der Fahrzeuge nach den Einsätzen mit Flächendesinfektionsmittel reinigen“, sagt der Feuerwehrkommandant dazu.

Als besonders zeit- und personalintensiv stellten sich neben der Flächenbrandserie im März und April auf den Schwetzinger Wiesen, auch der Dachstuhlbrand im Krokusweg, der Gebäudevollbrand in Ketsch, mehrere Rheinalarme sowie das schwere Unwetter im August heraus. 113 Einsatzstellen binnen 24 Stunden brachte der Sturm mit sich.

Digitale Sitzungen

„Natürlich fehlen die Übungen und damit auch der Austausch mit den Kameraden. Gerade Kinder aus der Jugendfeuerwehr oder die Musiker des Spielmannszuges trifft man höchstens kurz beim Einkaufen. In dieser Hinsicht ist das Feuerwehrleben unpersönlich geworden“, erzählt Krupp und betont, dass es in Bezug auf die Pandemie eben keine Erfahrungswerte gebe.

Etwas Positives kann er der aktuellen Lage aber doch abgewinnen: „Gerade als Feuerwehrler ist man es durch das Einsatzgeschehen gewohnt, sich auf neue Situationen einzustellen. Corona hat uns zum digitalen Umdenken in allen Bereichen gezwungen.“ Online-Ausschusssitzungen und Schulungen im Netz gehören mittlerweile zum Alltag. So werde auch das neue Jahr mit einer Online-Unterweisung beginnen.

„Ich hoffe natürlich, dass gerade unsere Jugend im Bereich der Feuerwehr und des Spielmannszuges bei uns bleibt und nicht abspringt – die Teams um Jugendwart Sebastian Magnussen und Stabführer Andreas Schließer haben hier in der Vergangenheit tolle Arbeit geleistet“, lobt der Kommandant. Für 2021 hoffe er, dass alle Abteilungen ihren Dienstbetrieb mit einem guten Hygieneplan aufnehmen können. Für die Einsatzmannschaft haben die Verantwortlichen festgelegt, dass der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz in der Gemeinde die 50 unterschreiten muss, bevor die Einsatzmannschaft erneut in Kleingruppen übt.

Was das Impfen gegen das Coronavirus angeht, so befinden sich die Feuerwehren in der Prioritätenliste an dritter Stelle, den „Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität“. Dazu zwingen, sich impfen zu lassen, könne man laut Krupp niemanden – nur eine Empfehlung aussprechen.

Gerätehaus nicht mehr zeitgemäß

„Ich wünsche mir außerdem, dass die Machbarkeitsstudie, die unser Gerätehaus betrifft, schnellstmöglich fortgeführt werden kann. Vor allem im Bereich der Umkleiden und Werkstätten – gerade in der Atemschutzwerkstatt – muss sich etwas tun“, fügt der Feuerwehrmann hinzu. Eine Schwarz-Weiß-Trennung, also eine Trennung zwischen kontaminierten und sauberen Materialien sowie Einsatzkleidung, sei dort nämlich aktuell nicht möglich.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional