Brühl

Sozialverband Wolfgang Nase referiert über Neues aus der Sozialpolitik / Inklusion liegt weit hinter den Erwartungen zurück

Einzelner Mensch steht bei allen Themen im Mittelpunkt

Brühl.Zu einer Informationsveranstaltung über Themen zur aktuellen Sozialpolitik hieß die Ortsvorsitzende des Sozialverbandes VdK, Anni Körber, im "Sportpavillon" Wolfgang Nase als Gast willkommen. Der Referent ist Mitglied des VdK-Kreisvorstandes Mannheim und Kreisobmann für Schwerbehinderte in 35 Ortsverbänden.

Er erinnerte daran, dass der VdK der größte und am stärksten wachsende Sozialverband mit derzeit 1,82 Millionen Mitgliedern in deutschland sei, 8,2 Millionen Euro wurden für die Mitglieder im vergangenen Jahr gerichtlich erstritten. Als sozialpolitischer Meinungsführer müsse der Sozialverband somit zu Themen der sozialen Sicherung der Gesellschaft gefragt werden. Dabei gehe es um jeden einzelnen Menschen.

Die Grundpositionen beinhalten wichtige Themen, wie Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung, zur Armutsvermeidung, Alterssicherung, Prävention, Rehabilitation, Barrierefreiheit, sowie Behinderung. Dabei stehe stets der Mensch bei allen Themen im Mittelpunkt.

Die Unterzeichnung des Übereinkommens für die Rechte der Menschen mit Behinderung durch die Bundesrepublik im Jahr 2009 sei auch ein wichtiger Schritt für den Sozialverband gewesen. In der UN-Konvention sei ein hoher Anspruch formuliert worden, der einen langen Atem verlange, einschließlich einem umfassenden gesellschaftlichen Wandel.

VdK fordert nun auch Taten

Mittlerweile sei der Begriff "Inklusion" in aller Munde, aus Sicht des VdK müsse nun endlich gehandelt werden. Ansatzpunkte dafür seien die Prävention, das Gesundheitsmanagement, das betriebliche Eingliederungsmanagement, die medizinische und berufliche Rehabilitation, die Stärkung der Schwerbehindertenvertretung im Betrieb und die Anhebung der Ausgleichsabgabe.

Ziel der gesundheitlichen Prävention müsse sein, Gesundheit, Lebensqualität, Selbstbestimmung und Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten. Im August 2015 wurde das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention verabschiedet. Es sei das Ziel, unter Einbeziehung aller Sozialversicherungsträger sowie der privaten Krankenversicherung und der privaten Pflegeversicherung, die Gesundheitsförderung und die Prävention in der Lebenswelt zu stärken, Leistungen der Krankenkassen zur Früherkennung weiterzuentwickeln und das Zusammenwirken betrieblicher Gesundheitsförderung und Arbeitsschutz zu verbessern.

Insgesamt liege das Ziel weit hinter den Erwartungen. Deshalb empfehle der VdK einen Katalog an Verbesserungen. Dazu gehöre ein betriebliches Gesundheitsmanagement mit der Aufgabe, krank machende Arbeit zu reduzieren, gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen sowie eine Balance zwischen den Anforderungen des Arbeitsplatzes und den individuellen Ressourcen der Mitarbeiter zu schaffen. Die im Jahr 2011 auf 4,6 Prozent gestiegene durchschnittliche Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen sei allein auf öffentliche Arbeitgeber zurückzuführen, dagegen lagen private Unternehmen "bei mageren vier Prozent", so Nase. Öffentliche Arbeitgeber lägen inzwischen sogar schon bei 6,5 Prozent. In Zahlen ausgedrückt bleiben derzeitig rund 257 000 Pflichtplätze für Schwerbehinderte unbesetzt, 243 000 davon in der freien Wirtschaft. 38 500 Arbeitgeber, das sind 26 Prozent, beschäftigten keine Schwerbehinderten.

Ausgleichsabgaben erhöhen

In diesem Bereich empfiehlt der Sozialverband, die gestaffelte Ausgleichsabgabe spürbar zu erhöhen. "Es ist nicht zu bestreiten, dass Deutschland das Ziel der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt noch längst nicht erreicht hat", fasste Wolfgang Nase sein Referat zusammen und empfahl konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten darüber, wie Inklusion noch besser verwirklicht werden könne. gp

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