Brühl

Geothermie Bestehende Bohrlöcher müssen noch nicht verfüllt werden / Sicherungsmaßnahmen reichen bislang aus

„Es ist keine Seismizität zu erwarten“

Archivartikel

Brühl.Über allen Löchern ist Ruh’, könnte man angesichts der Situation bei der einst angedachten Geothermie-Anlage im Brühler Süden das Dichterwort entsprechend anpassen. Die Projektgesellschaft Geoenergy, die 2005 mit ersten Erkundungen des Untergrundes begonnen hatte, plante auf dem Areal ein großes Erdwärme-Kraftwerk zu errichten.

Im April 2015 meldete das Unternehmen allerdings noch vor Fertigstellung der Arbeiten Insolvenz an – das Aus für die Anlage, die in Baden-Württemberg als Pilotprojekt gehandelt wurde, in Brühl aber nach anfänglicher Begeisterung im Laufe der Zeit auf immer heftigeren Widerstand traf.

Bei seiner Ansprache zum 20. Dienstjubiläum von Bürgermeister Dr. Ralf Göck (wir berichteten) sagte dessen Stellvertreter in der Laudatio auf den Jubilar am Freitag, dass „dieses Projekt ist bis heute noch nicht endgültig abgeschlossen“ sei. Wie ist der aktuelle Stand auf der Anlage? Unser Faktencheck soll Antworten geben.

Wie ist der Status quo auf der Baustelle?

Zurzeit finden auf dem Areal keine Arbeiten statt. „Die Baustelle ruht weiterhin“, erklärt Markus Adler, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, in dem das zuständige Bergamt angesiedelt ist, auf Anfrage unserer Zeitung. Er sieht momentan für seine Behörde kein Handlungsbedarf. Noch sind nicht alle Rechtsfragen zur möglichen Rückgabe des Areals geklärt. Geoenergy, das bereits 2011 vom Bergamt in Freiburg die Bohrgenehmigung erhalten hatte, hatte die erste, 3800 Meter tiefe Bohrung sowie Fündigkeitstests schon 2013 abgeschlossen. Die zweite Bohrung reicht weit weniger tief ins Gestein. Laut Angaben des Insolvenzverwalters seien bislang auf der Baustelle 15 Millionen Euro investiert worden, dazu kommen noch dieKosten für die vorherige Erkundung.

Wie ist der Bereich der ruhenden Baustelle gesichert?

Die Baustelle ist durch einen Bauzaun abgeriegelt. Auf dem Bohrplatz ist zudem der Bohrkeller eingezäunt worden. Das Wasserbecken, das bei der Bohrung und bei den Tests das Wasser aus dem Untergrund aufgenommen hatte, ist so bearbeitet, dass sich dort auch kein Regenwasser mehr darin sammeln kann. „Die Bohrungen sind nicht frei zugänglich und verschlossen“, erklärt Adler. Für die Sicherung der Baustelle seien alle zurzeit notwendigen Vorkehrungen getroffen worden.

Können dort durch die beiden bestehenden Löcher noch seismische Probleme auftreten?

Laut Adler sei aufgrund des Stillstandes der Bauarbeiten auch keine Seismizität, also keine Erschütterung im Untergrund, zu erwarten. Das Monitoring, mit dem mögliche Erdbewegungen während der Bauphase rund um die Brühler Baustelle gemessen werden sollten, findet derzeit nicht mehr statt. Ein Monitoring werde erst wieder bei einer eventuellen Wiederaufnahme von Arbeiten – etwa durch hydraulische Tests der Bohrung – wieder erforderlich.

Können die beiden Löcher noch genutzt werden?

Das wäre theoretisch möglich. So könnte die tiefere Bohrung weiterhin für die ursprünglich vorgesehene Gewinnung und Nutzung von Erdwärme genutzt werden. Die vorbereitete zweite Bohrung müsste für den Dublettenbetrieb bis in das Erdwärmereservoir tiefer gebohrt werden. „Uns sind aber keine diesbezüglichen konkreten Pläne bekannt“, betont Adler auf Anfrage. Auch andere Nutzungen sind theoretisch denkbar, „doch „allgemeine Feststellungen zu deren Machbarkeit können von uns nicht getroffen werden“, hebt der Pressesprecher des Regierungspräsidiums Freiburg hervor.

Müssen die Löcher verfüllt werden?

Endgültig stillgelegte Bohrungen müssen verfüllt werden, heißt es aus dem Bergamt. Zurzeit sei die Baustelle in Brühl aber nicht endgültig stillgelegt, sondern ruhe offiziell nur. Von den zurzeit stillstehenden Bohrungen gehe auch keine Gefahr aus, die eine vorgezogene Verfüllung erfordern würde. Immerhin sind die beiden Löcher für eine 30-jährige Nutzung ausgelegt.

Wer würde die Kosten dafür tragen müssen?

„Da die Verfüllung der Bohrungen aktuell nicht ansteht, kann auch die Frage der Kostenübernahme erst später entschieden werden“, hebt Adler hervor. Es sei zurzeit noch nicht geklärt, welches Unternehmen das begonnene Vorhaben auf seine Rechnung weiterführen oder endgültig einstellen werde.

Wer zahlt bei Gebäudeschäden, wenn sie doch von den beiden derzeit ungenutzten Löchern ausgehen?

Adler sagt dazu, dass kein Mechanismus bekannt sei, der ausgehend vom jetzigen Zustand der Bohrungen Gebäudeschäden bewirken könnte. Bis zu ihrer Insolvenz hatte die Firma Geoenergy eine Versicherung abgeschlossen, die für solche Schäden aufgekommen wäre.

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