Brühl

Fakten versus Gefühlslage

Man kann sich auch in Brühl nachts nicht mehr sicher auf der Straße fühlen! Da sind sich die Vertreter mancher politischen Richtung, aber auch die Stammtischschwadronierer einig. Man kann ja schließlich täglich in den Medien von Mord, Gewalt, Neppern, Schleppern und Bauernfängern erfahren. Und dann sind da ja noch die vielen Straftaten, von denen einem erzählt wird von demjenigen, der einen kennt, der den kennt, dem das wirklich passiert ist. Und den Medien und der Polizei kann man ja ohnehin nicht trauen, weil die alles unter den Tisch fallen lassen – wahrscheinlich wegen irgendeiner geheimen Macht, die das, warum auch immer, so will.

Allerdings hat diese Argumentationskette ein gewaltiges Glaubwürdigkeitsmanko: Liest und hört man nun immer wieder in Medien von Verbrechen oder verheimlichen sie die Taten? Keine Frage, es ist nicht schön, dass in Brühl täglich 1,3 Straftaten angezeigt werden. Aber bei über 14 000 Einwohnern relativiert sich die Gefährdungslage für den Einzelnen in Brühl doch ganz erheblich. Vielleicht sollte häufiger veröffentlicht werden: „Die Polizei meldet: heute nichts.“

Das Wissen über ein Auseinanderklaffen der objektiven Kriminalitätslage und der gefühlten Sicherheit ist nicht neu. Dennoch: Die Furcht vor Kriminalität sollte in ihrer Sprengkraft nicht unterschätzt werden. Sie ist immer auch eng mit anderen relevanten gesellschaftlichen Problemen und Themen verbunden, wie Integration von Minderheiten, dem Misstrauen gegenüber „Fremden“ und Migranten sowie dem mangelnden Vertrauen in Staat, Justiz und Polizei.

Und dieser Gedanke macht mir dann wieder Angst – aber nicht unbedingt vor vermeintlichen Kriminellen, sondern vor den gesellschaftlichen Entwicklungen, denn Angst – vor allem, wenn sie unbegründet ist und instrumentalisiert wird – ist nie ein guter Ratgeber.

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