Brühl

Feinheit der Schbrooch

Archivartikel

Dem Kurpfälzer kann viel vorgeworfen werden, aber nicht, dass er lange um Worte ringt. Die Muddaschbrooch ist unverblümt und direkt. Ohne große Schnörkel anzuwenden, sagt der Kurpfälzer in seinem Dialekt immer genau das, was er meint. Und dennoch gibt es auch sie – die Feinheiten, die Linguisten manchmal zu Freudensprüngen hinreißen.

Beispiel gefällig? In Rohrhof zeigt sich der gewaltige Unterschied der jeweiligen Heimatverwurzelung von Einwohnern in nur einem Buchstaben. Derjenige, der erst frisch hinzugezogen ist, der ist schlicht ein Rohrhofer. Den Fakt, dass er im nördlichen Brühler Ortsteil lebt, kann man ja nur schwer negieren. Und so wählt der Ureinwohner gern die hochdeutsche Formulierung. Aus seiner Sicht ist das allein freilich schon eine große Ehre.

Hat der Rohrhofer nach vielen, vielen Jahren auch im sozialen Umfeld Wurzeln geschlagen, dann darf er sich irgendwann über eine Beförderung freuen. Er wird zum Rohrhöfer. Aber Vorsicht! Der Nachweis der Meldeadresse im älteren der beiden Ortsteile der Hufeisengemeinde über Jahre hinweg reicht nicht aus.

Das Prädikat edelster Herkunft wird nur an diejenigen verliehen, die bereits seit Generationen unter dem Zeichen des Gockels siedeln – sie dürfen sich sogar Rohrhäfer nennen. Und noch einmal Vorsicht: Dieser Ehrentitel wird verliehen, da darf man sich nicht einfach selber krönen!

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