Brühl

Rheinauen Leserin Sabine Schirmer entdeckt Sumpfschildkröten an einem Tümpel bei Rohrhof / Exoten sind durchweg von Menschen ausgesetzt

Heimische Tiere oder amerikanische Vettern?

Brühl.Sabine Schirmer staunte nicht schlecht, als sie mit ihrem Hund in der Nähe des Rheins spazieren ging. In einem Tümpel bei Rohrhof tummelte sich doch tatsächlich eine kleine Ansammlung von Wasserschildkröten in der Sonne. „Es könnte sich um die europäische Sumpfschildkröte handeln“, sagt Cindy Weidner vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) auf unsere Nachfrage mit Blick auf das Bild, das Schirmer bei ihrer Expedition ins Tierreich gemacht hat. Allerdings lässt die Aufnahme unserer Leserin nur Vermutungen zu, denn sie kam nicht nahe genug heran, um ein scharfes Bild zu machen.

Wahrscheinlich handelt es sich aber wohl eher um Gelb- oder Rotwangen-Schmuckschildkröten, urteilt auch Udo Koch, Vorsitzender des Angelsportvereins Rohrhof. Diese Tiere lebten einst nur im Südosten der USA. Inzwischen gibt es sie außer in der Antarktis überall – auch im Gewässer des Angelsportvereins. „Das sind meist Tiere, die jemand geschenkt bekommen oder gekauft hat und sie, als sie größer wurden, einfach ausgesetzt hat“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

Doch so ganz unwahrscheinlich ist es laut Weidner nicht, dass es auch die heimischen Vettern sein könnten. Die europäische Sumpfschildkröte ist streng geschützt. Früher war sie weit verbreitet, heute gilt sie als nahezu ausgestorben, so die Nabu-Expertin. Die Möglichkeit, dass Schirmer einige Exemplare am Altrhein entdeckt hat, bestehe aber durchaus, weil in Rheinland-Pfalz seit einigen Jahren ein Projekt zur Wiederansiedlung im Altrheingebiet läuft. Bisher konnten über 80 Sumpfschildkröten – im Altrhein bei Bobenheim-Roxheim – ausgewildert werden.

2015 wurde für die Aufzucht der Jungschildkröten der neue Außenbereich im Sealife in Speyer eröffnet, das als Projektpartner diese Tätigkeit unterstützt. Die von Züchtern stammenden Schildkröten werden dort so lange betreut, bis sie groß genug sind, um ausgewildert werden zu können.

Reiselustige Sumpfschildkröten könnten sich somit auch wieder an diesem Tümpel in Rohrhof angesiedelt haben, da sie flache oder langsam fließende und von der Sonne erwärmte Gewässer bevorzugen. In der Nähe müssen Möglichkeiten zum Überwintern vorhanden sein, genauso wie Plätze zur Eiablage.

Nachwuchs bleibt bislang aus

Europäische Sumpfschildkröten können bis zu 70 Jahre alt werden. Die bis zu 20 Zentimeter groß werdenden Panzertierchen ernähren sich größtenteils von Wasserinsekten oder Larven von Amphibien. Bei höheren Temperaturen, wie sie sich bereits in diesem Monat zeigten, mögen die Tiere auch gern pflanzliche Nahrung.

Die europäischen Sumpfschildkröten haben gerade ihre Winterruhe hinter sich gebracht und suchen nun nach einem Partner, um sich fortzupflanzen. Wenn die Weibchen ihre bis zu 20 Eier bis Anfang Juni in sonnigen Flächen vergraben haben, schlüpfen die Jungen nach rund drei Monaten. Geschlechtsreif sind die Schildkröten nach meist zehn bis 15 Jahren.

Über Nachwuchs können sich die Exoten, die einst aus Amerika kamen, hier nicht freuen. Bisher wurde die erfolgreiche Fortpflanzung und Etablierung der Tiere in Europa nur im Mittelmeerraum nachgewiesen. Die in den Rheinauen lebenden Exemplare sind also alle ausgesetzt worden. Das passiert oft in der Hoffnung, man schenke den Tieren mit der Freiheit etwas Gutes. Doch es ist durchaus problematisch für die heimische Fauna, erklärt Weidner, weil die deutlich durchsetzungstärkeren amerikanischen Tiere den heimischen häufig den Lebensraum streitig machen würden.

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