Brühl

Schutzgebiete Wildtierbeauftragter des Rhein-Neckar-Kreises bittet um Rücksichtnahme

Kinderstube für viele Arten

Archivartikel

Brühl.Die Auenlandschaft zwischen Hufeisengemeinde und Rhein, aber auch die Kollerinsel jenseits des Flusses sind beliebte Ausflugsziele. Gerade in Zeiten von Corona nutzen sie bei schönem Maiwetter zahllose Spaziergänger und Radfahrer zur Naherholung, zum Urlaub vor der Haustür. Aber sie sind auch Naturschutzgebiete mit einem Mosaik wertvoller Lebensräume. Damit werden sie zu wichtigen Rückzugsgebieten für viele Tierarten. Das bietet Konfliktpotenzial, denn die Tiere sind somit durch den Menschen starkem Freizeitdruck ausgesetzt.

Das schöne Frühlingswetter lockt die Menschen zunehmend hinaus in Wald, Feld und Flur, um zu wandern, Rad zu fahren oder sonstige Freizeitaktivitäten zu betreiben. Gleichzeitig und fast unbemerkt hat bereits vor einigen Tagen die Brut- und Setzzeit der Wildtiere begonnen. „Die Natur gleicht aktuell einer Kinderstube“, so der Wildtierbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises, Dorian Jacobs. Er bittet in einer Pressemitteilung dringend darum, Wildtiere und ihren Nachwuchs vor Störungen zu schützen, auf den vorgegebenen Wegen zu bleiben, Hunde an der Leine zu halten und keinesfalls Jungtiere anzufassen.

Wildtiere würden Menschen und Hunde auf Wegen zunächst nicht als Bedrohung wahrnehmen, weshalb sie ihren Nachwuchs teilweise auch in direkter Wegnähe ablegen. „Auch wenn es auf den ersten Blick nicht zu sehen ist, werden Jungtiere oder Jungvögel, die scheinbar allein und verlassen sind, dennoch von den Elterntieren versorgt“, unterstreicht Jacobs.

Kitze sind nicht alleingelassen

Das einsame Ablegen der Jungtiere diene zum Schutz vor Fressfeinden. Rehkitze, die alleine und regungslos verharren, seien, bedingt durch den in den ersten Lebenstagen fehlenden Eigengeruch, für ihre Feinde nahezu unauffindbar.

So säßen beispielsweise kleine Feldhasen oft scheinbar allein gelassen im Gras, werden jedoch noch durch ihre Mütter in regelmäßigen Abständen mit lang sättigender, fettreicher Milch versorgt, führt der Wildtierbeauftragte des Landkreises weiter aus.

Hunde nicht frei laufen lassen

„Deshalb ist es wichtig, sich beim Auffinden von Tierkindern rasch wieder zurückzuziehen, damit die Elterntiere sie ungestört versorgen können“, erläutert der Experte und sagt weiter: „Jungtiere dürfen auf keinen Fall berührt werden, da sich der menschliche Geruch auf die Tiere übertragen kann, mit der Folge, dass die Jungtiere von den Eltern verlassen werden und verhungern. Zudem besteht beim ungeschützten Berühren von Wildtieren grundsätzlich eine Ansteckungsgefahr durch auf den Menschen übertragbare Krankheiten.“

Auch Hunde sollten auf freiem Feld nicht unbeaufsichtigt laufen gelassen werden, denn dort sitzen die kleinen Hasen und auch bodenbrütende Vögel, wie beispielsweise Rebhühner oder Fasane. „Diese sogenannten Niederwildarten werden bei uns im Rhein-Neckar-Kreis durch verschiedene Projekte, bei denen Landwirte, Naturschützer und Jäger Hand in Hand arbeiten, in ihrem Bestand geschützt und gefördert“, ergänzt der Wildtierbeauftragte.

Gefährliche Begegnungen

„Am meisten helfen Sie unseren Wildtieren und Bodenbrütern, wenn Sie ihnen Ruhe schenken“, appelliert Dorian Jacobs an die Besucher der Schwetzinger Wiesen, der Kollerinsel und der Auen. Denn Begegnungen mit dem Nachwuchs der Wildtiere könnten auch für das eigene Haustier unangenehme Folgen haben. So können Hunde beim Stöbern im Wald durchaus von Wildschweinbachen, welche ihre Frischlinge verteidigen, angegriffen werden.

Eile der Hundeführer in logischer Reaktion seinem Vierbeiner zur Hilfe, bestehe auch für ihn die Gefahr ernsthafter, schwerwiegender Verletzungen. „Durch einfache Verhaltensregeln und Kontrolle über unsere vierbeinigen Freunde können Sie unseren Wildtieren und ihrem Nachwuchs eine große Hilfe sein und trotzdem die Natur zu genießen“, schließt der Wildtierbeauftragte des Rhein-Neckar-Kreises seine Ausführungen. zg/ras

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