Brühl

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Archivartikel

Ralf Strauch fühlt sich manchmal so überflüssig im weltweiten Netz

Jetzt sind sie aufgeflogen. Sie haben sich verraten. Sie brauchen mich eigentlich gar nicht. Meine Elektrogeräte, meine ich. Der Anlass war eigentlich profan. Ich war einen Tag nicht in der Redaktion, also habe ich den Abwesenheitsassistenten eingeschaltet: „Ralf Strauch ist zurzeit nicht in der Redaktion...“ – eigentlich ein ganz normaler Vorgang.

Doch dann kam eine Pressemitteilung aus dem Rathaus. Mein Rechner antwortet, wie ihm geheißen: „Ralf Strauch ist zurzeit ...“. Die Antwort aus dem Rathaus kam prompt, offensichtlich weil die Mitarbeiterin kurz vor ihrem Urlaub an mich geschrieben hatte: „... Ist zurzeit nicht im Hause ...!“

Mein Rechner reagierte sofort. „Ach Gott, wo ist sie denn?“ „Macht Urlaub!“ Plötzlich meldete sich mein Drucker: „Überprüfen Sie die Füllstände.“ „Hallo Drucker, Ralf ist nicht da“, antwortete mein Mailingsystem sinngemäß – wir sind offensichtlich schon per Du. „Ja, dann sag es ihm später“, meinte der Drucker. „Gerne, da ist er recht zuverlässig“, weiß meine Mailbox mich zu loben.

Plötzlich läuft eine Whatsapp ein: „Waschmaschine ist fertig!“ „Moment mal, nicht vordrängeln, Waschmaschine, das Auto ist auch schon komplett geladen – das ist erst mal wichtiger“, hieß es mit Nachdruck vom Stellplatz meines Wagens. „Entschuldigung, vielleicht sollte Ralf auch mal wieder Kaffeebohnen kaufen – ist auch gerade im Angebot“, meinte mein Vollautomat für Heißgetränke.

Da meldete sich mein TV-Streamingdienst und brachte Ruhe ins komplette System. „Hallo, fahrt mal runter, er schaut gerade eine Sitcom und ich habe für ihn auch schon die nächste Sendung ausgesucht – lasst ihn also erst mal in Ruhe“. Gelassen legte ich meine Füße hoch – das lief noch ganz anlog.

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