Brühl

Freibad Gemeinderat spricht sich gegen eine Öffnung der beliebten Freizeiteinrichtung aus / Erste Zwangspause seit 1963

Laufende Saison fällt komplett ins Wasser

Archivartikel

Brühl.„Ärger gibt es so oder so“, formulierte Bürgermeister Dr. Ralf Göck gegenüber unserer Zeitung seine Gefühlslage zur wochenlangen Entscheidungsfindung in Verwaltung und Gemeinderat über die Öffnung oder Nichtöffnung des Freibades (wir berichteten). Als „vielleicht schönste öffentliche Einrichtung der Gemeinde“ bewertet er das Freibad, das nach zweimaliger nicht öffentlicher Beratung im Gemeinderat in dieser Saison nun tatsächlich geschlossen bleiben wird, heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde.

Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, die Freibadschließung zu verfügen. „Wir hätten den Freunden des Schwimmsports und den Familien diesen kleinen Urlaub in Brühl gerne ermöglicht“, führt der Bürgermeister aus, aber die Ansteckungsgefahr mit Covid-19 sei eben noch nicht gebannt. Bei ihrer Entscheidung sei es den Gemeinderäten auch wichtig gewesen, dass wesentliche Attraktionen wie die 67 Meter lange Wasserrutsche, das Kinderplanschbecken und der Sprungturm echte Publikumsmagneten seien, die in dieser Saison nicht genutzt werden dürften, weil sowohl die Aufsicht in Bezug auf die Einhaltung der Kontaktabstände als auch die Desinfektion der Handläufe nicht leistbar gewesen wären.

Zusätzlicher Aufwand

Dies und die Reduzierung der Toiletten und die Schließung der Duschen hätten das eigentlich umfassende Freizeitangebot entscheidend geschmälert. In den Becken müssten die Schwimmer ebenfalls Abstand halten, was die Schwimmmeister kontrollieren müssten. Die Ordnung außerhalb der Becken, sichergestellt durch externes Security-Personal, sei genauso mit zusätzlichem Aufwand verbunden wie die in kurzen Abständen zu erfolgene Reinigung der verbliebenen Toiletten. Alles in allem wären durch den Mehraufwand die jährlichen Betriebsausgaben des Bades, wie bereits berichtet, von 700 000 auf 850 000 Euro gestiegen und durch die vorgegebene Reduzierung der Badegäste auf höchstens 1100 Menschen kämen Einnahmeverluste von etwa 100 000 Euro hinzu.

„Auch der zu Beginn der Debatte geplante Einlass-Schichtbetrieb hat sich in den bisher geöffneten Bädern als schwierig erwiesen“, hat Göck bilanziert, denn manche Badegäste würden das Bad nach Ablauf der Besuchszeit nicht rechtzeitig verlassen, was zu Ärger und langen Warteschlangen führe. Um diese zu verhindern, wären Eintrittskarten nur online erwerbbar gewesen. Die bereits erworbenen Jahres- oder Saisonkarten hätte man nicht einlösen können. Sie verlieren aber ihre Gültigkeit nicht. Die Jahreskarten werden um den Zeitraum der Schließung nach hinten verlängert, die Saisonkarten können für das nächste Jahr verwendet werden.

Mitarbeiter in Kurzarbeit

„Das Bäderteam und ich bedauern die Entscheidung“, so Göck, aber alle hätten Verständnis, dass es aufgrund der Umstände zum ersten Mal seit 1963 in Brühl eine Freibadpause gibt, „die wir aber nutzen werden, um Reparaturarbeiten an der in die Jahre gekommenen Elektroanlage vorzuziehen“. Für die zehn Mitarbeiter des Freibades bedeutet dies erst einmal Kurzarbeit. Das Bad wird von zwei in Teilzeit verbleibenden Schwimmmeistern in Schuss gehalten. „Womöglich können wir die Freibadwiese auch für die ein oder andere Ferienprogramm-Veranstaltung, durchaus auch im kreativen Bereich, nutzen“, kündigt der Bürgermeister an, „um zumindest mit solchen Angeboten für sommerliche Abwechslung zu sorgen“. zg/ras

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